Zwischen Glühwein und Galerien
Was macht man am besten, um in der Vorweihnachtszeit nicht nur zum Einkaufen unterwegs zu sein?
Ich habe mir ein Deutschlandticket geholt und mir ganz bewusst vorgenommen, in diesem Winter 24 Weihnachtsmärkte zu besuchen. Nicht als Abhaken einer Liste, sondern als Anlass, jeden Tag rauszukommen und Städte zu erkunden oder ganz neu kennenzulernen. Große Städte, kleinere Orte, bekannte Märkte ebenso wie besondere Formate. Das Ticket machte – trotz der bekannten Unbilden der Bahn – die Wege einfach, ermöglichte spontane Abstecher und senkte die Hürde, auch bei schlechtem Wetter loszufahren.
Die Weihnachtsmärkte standen dabei am Anfang, aber sie blieben nicht der einzige Fokus. Oft war der Markt nur der Einstieg oder ein erster Eindruck von einem Ort, der sonst nie auf meiner Liste stand. Im Laufe des Winters verschob sich der Schwerpunkt langsam. Nach den Feiertagen verschwanden Lichter und Buden, dafür rückten Kunst, Kultur und Ausstellungen stärker in den Vordergrund.
So wurde aus dem ursprünglichen Plan mehr als eine reine Weihnachtsmarkt-Tour. Mit dem Deutschlandticket ging es auch im Januar weiter in die Umgebung – trotz Regen, Matsch oder Glatteis. Kerzen und Weihnachtsdeko verschwanden, Museen und Ausstellungen traten an ihre Stelle. Dieser Beitrag fasst diese Winterwochen zusammen: zwischen Glühwein und Galerien, zwischen bekannten Wegen und Orten, die ich schon lange einmal sehen wollte.
Dezember
Hier werden einige der Weihnachtsmärkte kurz vorgestellt, den gesamten Überblick gibt es auf Instagram @dobbystories im Highlight Weihnachten 2025 .
Düsseldorf · Köln · Dortmund · Duisburg · Essen
In den größeren Städten gab es gleich mehrere Märkte auf allen Plätzen. Düsseldorf zeigte sich in Feierlaune, lebendig und auf Geselligkeit ausgerichtet. Köln wirkte deutlich romantischer, mit Hafenweihnacht, historischem Markt und dem Weihnachtsmarkt vor dem Dom.











Dortmund präsentierte sich überraschend stimmig und übersichtlich. Duisburg empfand ich so schön wie nie – aufgeräumt, offen und ein guter Ort für einen zweiten Blick. Essen lockte in diesem Jahr sogar mit dem WDR-Weihnachtswunder.










Soest · Hattingen · Mülheim an der Ruhr · Bochum
Abseits der großen Zentren wirkten die Weihnachtsmärkte überschaubarer und persönlicher. Soest überzeugte mit seinem historischen Stadtkern und einer ruhigen, stimmigen Atmosphäre. Hattingen lebt vom Fachwerk und kurzen Wegen, die dem Markt einen fast dörflichen Charakter geben. Mülheim an der Ruhr setzte mit der Schiffsweihnacht bewusst einen Akzent abseits klassischer Marktformate.










Bochum bot mit seinem Mittelaltermarkt einen stimmungsvollen Kontrast zu den üblichen Weihnachtsmärkten.







Münster · Aachen · Haltern am See · Schlösser
Natürlich gehörten auch stark besuchte Klassiker dazu: Münster, wo man sich zur Weihnachtszeit eher schiebt als geht, und Aachen, mit Dom und Rathaus als stimmungsvolle, aber erwartbare Kulisse.








Deutlich heraus stach Haltern am See, wo ein großer Herrnhuter Stern – einer der größten seiner Art – den Markt mehr prägte als Buden und Programm. Auf verschiedenen Schlössern gab es kleine, feine Weihnachtsmärkte, die bewusst reduziert bleiben und genau dadurch überzeugen.





· Streiflichter ·
Dazwischen lagen auch die großen Einkaufszentren, die zur Weihnachtszeit bunt und glänzend aufgerüstet waren und ihren eigenen Reiz entfalteten. Gleichzeitig zeigte sich, dass es nicht immer die inszenierten Orte sein müssen: In vielen Städten und Vierteln ließen sich abseits der bekannten Routen ebenso schöne Details entdecken – Schaufenster, Plätze, Straßen oder kleine Märkte, die ganz ohne großes Konzept auskommen.

















Eine Übersicht über die schönsten Weihnachtsmärkte in NRW gibt es hier.
Januar
Im Januar änderte sich der Charakter dieser Wintertour. Weihnachtsdekoration und Lichter wurden nach und nach abgeschmückt, Kerzen blieben. Der Fokus verlagerte sich weg von Märkten hin zu Museen, Ausstellungen und Spaziergängen. Mit dem Deutschlandticket ging es weiter in die Umgebung, auch bei Regen, Matsch oder Glatteis. Die Wege waren kürzer, die Ziele ruhiger, der Winter insgesamt nüchterner – aber gut geeignet, um Orte ohne Zeitdruck wahrzunehmen.
Die bunten Wände von Wuppertal
Nach den Feiertagen führte der Weg nach Wuppertal, wo Street Art gezielt als Stadtentwicklungsprojekt eingesetzt wird. Internationale und nationale Künstler haben in verschiedenen Stadtteilen großformatige Murals geschaffen, oft an Häusern, die man sonst kaum wahrnehmen würde. Die Werke sind frei zugänglich, nicht ausgestellt im klassischen Sinn, sondern eingefügt ins Gesamtbild. Sie lassen sich gut zu Fuß oder mit kurzen Fahrten verbinden. Gerade im Winter, ohne Laub und mit ruhigeren Straßen und Plätzen, treten die Bilder besonders deutlich hervor und machen Wuppertal zu einem guten Einstieg in den kulturellen Teil dieser Winterwege.
Die Stadt hat die Besichtigungstouren für ihre Besucher gut vorbereitet (Link zur Web-App und Karte der Murals), aber die Kunstwerke sind auch auf Google Maps verortet. Ich habe mit knapp 20.000 Schritten durch den Schneematsch und einer Fahrt mit der Schwebebahn einen Teil der Murals gesehen und war echt begeistert.













StadtKunst in Gelsenkirchen
Auch Gelsenkirchen setzt mit dem Projekt StadtKunst bewusst auf Kunst im öffentlichen Raum. Über das Stadtgebiet verteilt finden sich Wandbilder und künstlerische Arbeiten, die direkt im Alltag verortet sind und ohne Eintritt oder feste Öffnungszeiten zugänglich bleiben. Beim Unterwegssein begegnet man den Werken eher zufällig – an Fassaden, auf Plätzen oder entlang gewohnter Wege. Gerade im Winter, wenn der Stadtraum weniger ablenkt, lassen sich diese Arbeiten gut in einen Rundgang integrieren und zeigen Gelsenkirchen von einer Seite, die man nicht unbedingt erwartet.
Eine Reihe der Skulpturen sind auf dieser Karte zusammengestellt.




















Auch Gelsenkirchen punktet mit bunter Streetart in Unterführungen und Hausgiebeln. Eine Übersichtskarte gibt es hier, Erläuterungen dazu auf dieser Seite und das neueste Projekt wird hier vorgestellt.
Besonders in der Altstadt rund um den Hauptbahnhof kann man viele StreetArt-Kunstwerke bewundern.
















Die obere Ebene des Bahnhofs lädt zum schauen ein.







Die bunten Bilder trotzen dem tristen Wetter. Im bunten Stadtteil Ückendorf wird gerade viel gebaut und einige der Bilder schauen hinter den Gerüsten hevor.














Nordsternpark Gelsenkirchen
Der Nordsternpark entfaltet gerade jetzt im Vorfrühling mit der tief stehenden Sonne und dem stillen Wasser einen ganz eigenen Reiz. Die Wall of Fame am Rhein-Herne-Kanal spiegelt sich und man kann sie in der Stille betrachten. Auf dem offiziellen Graffiti-Bereich können nationale und internationale Street-Art-Künstler großformatige Arbeiten realisieren. Die wechselnden Motive machen sie zu einer offenen Galerie zeitgenössischer, urbaner Kunst vor der Industriekulisse.










Westfalenpark in Dortmund
Der nächste Ausflug führte mich nach Dortmund zum Westfalenpark. Der zählt zu den größten innerstädtischen Parkanlagen Deutschlands und entstand ab den 1950er-Jahren im Zuge der Bundesgartenschauen. Auf rund 70 Hektar verbindet er großzügige Grünflächen, Themengärten und Wasseranlagen mit Freizeit- und Kulturangeboten. Prägendes Wahrzeichen ist der Florianturm, der einen weiten Blick über Dortmund und das östliche Ruhrgebiet ermöglicht. Ich habe den Park sonnig, klirrend kalt und fast leer erleben können. (Video)















Stadtgarten Gelsenkirchen
Ein kleiner Vorfrühlingsspaziergang hat mich in den romantischen Stadtgarten mit seinen uralten Bäumen und dem Zen-Garten geführt. (Video)






Museen
Ich hatte mir für meine Winterspaziergänge kostenlose Museen gesucht und dabei einige sehr positive Überraschungen erlebt.
Schloss Horst in Gelsenkirchen
Schloss Horst gilt als eines der bedeutendsten Renaissancebauwerke in Westfalen und liegt etwas abseits der üblichen Wege in Gelsenkirchen-Horst. Erbaut wurde die Anlage im 16. Jahrhundert und ist heute vor allem für ihre reich gestalteten Sandsteinornamente bekannt. Das Museum führt mit einem Audioguide unterhaltsam durch die Baugeschichte des Schlosses. Gerade im Winter lässt sich das Schloss gut in einen ruhigen Rundgang einbinden und ergänzt den Besuch von StadtKunst und Street Art um eine historische Perspektive.













Kunstmuseum Gelsenkirchen
Zum (ebenfalls kostenlosen) Kunstmuseum Gelsenkirchen gehört neben dem Schwerpunkt der zeitgenössischen Kunst eine eigenständige kinetische Abteilung mit bewegten Kunstwerken. Skulpturen im Außenraum erweitern das Museum in den Stadtraum und lassen sich gut in einen Spaziergang integrieren. Ergänzt wird die Sammlung durch wechselnde Sonderausstellungen, aktuell mit Arbeiten von Rolf Glasmeier. (Video)


















Dortmunder U und Museum Ostwall
Das Museum Ostwall geht auf eine Sammlung moderner Kunst zurück, die nach 1945 gezielt aus Beständen wiederaufgebaut wurde, nachdem viele Werke zuvor als „entartete Kunst“ beschlagnahmt oder ihre Künstler von den Nationalsozialisten verfolgt worden waren.














Heute ist das (kostenlose) Museum im Dortmunder U untergebracht, einem ehemaligen Brauereigebäude der Union-Brauerei, das zu einem Zentrum für Kunst und Kreativität umgebaut wurde. Das Gebäude selbst ist mit seinem weithin sichtbaren, beleuchteten U ein bewusst erhaltenes Industriedenkmal und zählt zu den markantesten Beispielen für den Strukturwandel im Ruhrgebiet.








Ruhr-Universität Bochum
Meine Streifzüge durch den Vorfrühling haben mich auf das Gelände der Ruhr-Universiät in Bochum geführt. Hier gibt es gleich zwei Highlights – zum ersten die Kunstsammlungen. Interessant ist neben den ständigen Exponaten die Sonderausstellung der Studierenden der Kunsthochschule für Medien in Köln.













Die Uni Bochum besitzt einen fantastischen Botanischen Garten. Obwohl das Freiland noch Winterschlaf hielt, begeisterten mich der Chinesische Garten und die großen Tropenhäuser.

















In den nächsten Tagen geht es an dieser Stelle weiter mit meinen Winterwegen.

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