Vier Länder, viele Eindrücke – eine Reise zu Legenden, Landschaften und Lebensfreude
Unsere erste Balkanrundreise mit RSD liegt nun schon einige Jahre zurück und seit Jahresbeginn gibt es eine neue Route. Obwohl sich zwei Besichtigungsorte mit der früheren Tour überschneiden, hat es mich sofort gereizt, die neue Balkanrunde wieder mitzumachen. Auf meiner großen Welterbetour war ich zwar ebenfalls auf dem Balkan unterwegs, aber nicht im Kosovo und auch nicht in Skopje oder Tirana – und so konnte ich diesmal einige neue Orte und ein weiteres Land kennenlernen.
Das Besondere an dieser Route ist, dass sie durch Länder führt, die touristisch noch wenig erschlossen sind. Das hat seinen ganz eigenen Reiz, denn man teilt die Sehenswürdigkeiten oft nur mit wenigen anderen Besuchern und kann ursprüngliche Gastfreundschaft und echtes Lebensgefühl genießen. Natürlich sollte man wissen, dass nicht alle Hotels und Buffets den verwöhnten deutschen Ansprüchen entsprechen – wobei manche auch gerne das äußerst günstige Preis-Leistungs-Verhältnis dieser Reise außer Acht lassen. Uns jedenfalls hat es sehr gefallen und kleinere Abstriche haben uns überhaupt nicht gestört.
Bei dieser Reise hatten wir zudem einen der von RSD ausgezeichneten Reiseleiter, was den Erfolg schon fast garantiert hat. Auch das Wetter spielte mit: Trotz des späten Termins im Jahr blieb es fast durchweg trocken und die phänomenale Herbstfärbung verwandelte die Landschaften in ein leuchtendes Farbenspiel aus Gold, Rot und Kupfer.

Die neue Balkanreise führt durch vier Länder – rund 1.300 Kilometer werden mit dem Bus zurückgelegt, über Serpentinen, Gebirgspässe und durch lange Tunnel, vorbei an Bergseen und kleinen Dörfern.
Mehrfach werden Nicht-EU-Grenzen überquert, die Fahrzeiten sind deshalb teils lang, doch durch frühe Starts blieb an allen Besichtigungsorten ausreichend Zeit. Besonders eindrucksvoll ist die Vielfalt der Landschaften: Man passiert verschiedene Klimazonen, die Temperaturen reichen von frischen vier Grad in den Höhenlagen bis zu subtropischen über zwanzig Grad an der Bucht von Kotor.
Der Flug von Düsseldorf nach Skopje dauert knapp drei Stunden – genug Zeit, um die Vorfreude auf Sonne, Kultur und ein Stück noch unbekannteres Europa zu genießen. (Instagram-Reel)
Tag 1 – Nordmazedonien
Skopje – Stadt der tausend Skulpturen – wo Geschichte, Glanz und Gegensätze sich begegnen
Start- und Endpunkt der Reise ist Nordmazedoniens Hauptstadt Skopje. Gleich nach der Landung begann unser Stadtrundgang und schon nach wenigen Schritten fiel auf, wie sehr sich die Stadt in den letzten Jahren entwickelt hat. Zwischen der modernen Kliment-von-Ohrid-Kirche und der alten St.-Demetrius-Kirche, hübsch renovierten Altbauten, modernen Hotels und breiten Boulevards stehen unzählige Statuen und Monumente, die das Stadtbild prägen – so viele, dass Skopje oft als „Stadt der tausend Skulpturen“ bezeichnet wird.






Am weitläufigen Makedonien-Platz erhebt sich das riesige Reiterstandbild Alexanders des Großen – offiziell „Krieger auf Pferd“. Von dort führt die alte Steinbrücke aus dem 15. Jahrhundert über den Fluss Vardar hinüber in die Altstadt Čaršija, ein orientalisch geprägtes Viertel mit engen Gassen, Basaren, Moscheen und Teehäusern, das noch viel vom osmanischen Erbe Nordmazedoniens bewahrt hat.













Hoch über der Stadt liegt die Festung Kale, deren Ursprünge bis ins 6. Jahrhundert zurückreichen. Von dort oben blickt man weit über Skopje hinweg und bis zum Millenniumskreuz auf dem Berg Vodno – einem 66 Meter hohen Wahrzeichen, das weithin sichtbar über der Stadt thront.





Skopje ist eine Stadt der Gegensätze und genau das macht sie spannend: antike Spuren, osmanische Architektur, sozialistische Betonbauten und moderne Glasfassaden liegen dicht beieinander und gerade aus diesem Nebeneinander entsteht eine ganz eigene, lebendige Atmosphäre – ein gelungener Auftakt für eine Reise in den weniger bekannten, aber faszinierenden Teil Europas. (Reel)




🏛️ Wusstest du … ?
Nach dem verheerenden Erdbeben von 1963, das große Teile der Stadt zerstörte, wurde Skopje mit internationaler Hilfe neu aufgebaut – unter anderem mit einem Stadtplan des japanischen Architekten Kenzo Tange. Das erklärt, warum heute moderne Bauten, sozialistische Blöcke und antik wirkende Monumente so dicht beieinanderstehen. Die Vielzahl der Skulpturen – teils umstritten, teils bewundert – entstand im Rahmen des Projekts „Skopje 2014“, mit dem die sich Stadt ein neues, historisch inspiriertes Gesicht gab.
Tag 2 – Kosovo
Glaube, Gastfreundschaft und Gelassenheit – von Gračanica bis Prizren
Der zweite Reisetag führte uns in den Kosovo – ein kleines, noch junges Land auf dem Balkan, das viele mit Konflikten verbinden, das aber voller kultureller Schätze steckt. Schon kurz nach der Grenze erreichten wir den ersten Höhepunkt: das Kloster Gračanica, ein Meisterwerk spätbyzantinischer Architektur aus dem Jahr 1321, erbaut unter König Stefan Uroš II. Milutin. Die Kirche mit ihrer zentralen Kuppel und den vier kleineren Seitenkuppeln gehört seit 2006 zur UNESCO-Welterbestätte „Medieval Monuments in Kosovo“.




Innen beeindrucken die fast vollständig erhaltenen Fresken mit Szenen aus dem Leben Christi, dem Jüngsten Gericht und zahlreichen Heiligendarstellungen. Sie gelten als Höhepunkt serbischer Sakralkunst des 14. Jahrhunderts. Fotografieren ist im Inneren nicht erlaubt – zu Recht, denn die Atmosphäre lebt von der Ruhe und dem Dämmerlicht, das nur durch schmale Fenster einfällt. Ich habe später einige gemeinfreie Innenaufnahmen gefunden, die die Schönheit dieser Malereien gut wiedergeben. (Bildquelle )



Nach der Besichtigung ging es weiter nach Prizren, einer der schönsten Städte des Kosovos und zugleich spirituelles Zentrum des Landes. Schon bei der Einfahrt fiel die Silhouette mit Minaretten, Kirchtürmen und der alten Steinbrücke über den Fluss Bistrica auf. In der Altstadt liegt die Kirche der Gottesmutter von Ljeviša (Bogorodica Ljeviška) – das zweite Welterbekloster unserer Tour. Ursprünglich im 13. Jahrhundert errichtet, wurde sie im 14. Jahrhundert prachtvoll ausgemalt. Auch sie zählt zu den „Medieval Monuments in Kosovo“ und bewahrt kostbare Fresken byzantinischer Meister. Der Zutritt ist meist nur mit Voranmeldung möglich, Fotografieren auch hier nicht gestattet (anbei einige gemeinfreie Fotos – Quelle).








Danach unternahmen wir einen Stadtbummel durch die hübsche Altstadt – Kopfsteinpflaster, schmale Gassen, bunte Häuser und das Rauschen des Wassers, das sich durch Prizren zieht. Mittelpunkt ist der Shadërvan-Platz mit seinem alten Brunnen, um den sich zahlreiche Straßencafés und Restaurants gruppieren.





In einem probierten wir einheimische Spezialitäten: den würzigen Auflauf Tavë Prizreni, dazu frischen Šar-Käse aus den nahen Bergen – kräftig und aromatisch – und als süßen Abschluss das typische Dessert Tres Leches, ein in drei verschiedenen Milchprodukten getränktes Biskuit, das leicht, kühl und überraschend fein schmeckt.
Zum Abschluss warfen wir noch einen Blick in die Sinan-Pasha-Moschee, deren kühle Weite und feine Wandmalereien beeindruckten. Beim Hinausgehen schweifte der Blick über den Fluss hinauf zur Festung von Prizren, die hoch über der Stadt thront – ein letzter, schöner Eindruck, bevor wir weiterfahren mussten. Aber – vielleicht gibt es ein Wiedersehen, denn – auch wir haben vom Brunnenwasser getrunken. (Reel)



💧 Wusstest du … ?
Am Brunnen von Shadërvan erzählt man sich bis heute eine Legende: Wer einmal von seinem Wasser trinkt, wird in Prizren heiraten (oder zumindest nach Prizren zurückkehren). Der Brunnen gilt als Herz der Stadt – hier treffen sich Einheimische und Reisende, um Neuigkeiten auszutauschen oder einfach das Treiben zu beobachten. Das klare Quellwasser stammt aus den Bergen über der Stadt und symbolisiert Reinheit, Heimat und Erinnerung.
Tag 3 – Montenegro
Berge, Buchten und besondere Momente – von Podgorica bis Kotor
Am Morgen begann einer der spektakulärsten Abschnitte unserer Reise – die Fahrt durch die Berge Montenegros, deren Gipfel bis weit über 2.000 Meter reichen.
Die Straße schlängelte sich durch tiefe Schluchten, vorbei an Flüssen und kleinen Dörfern, die sich an die Berghänge schmiegten. Immer wieder öffneten sich beeindruckende Blicke aus dem Busfenster auf schroffe Felsen, bewaldete Höhen und glitzernde Seen – Montenegro macht seinem Namen („Schwarzer Berg“) wirklich alle Ehre.







Nach einem kurzen Stopp und der Durchfahrt durch Podgorica, der Hauptstadt des Landes, ging es weiter Richtung Adriaküste. Viel Zeit blieb dort nicht, aber ein Blick auf die moderne Stadt mit ihren breiten Straßen und dem Fluss Morača lohnte sich trotzdem.
Dann endlich das Meer – und ein Spaziergang am Hafen von Porto Montenegro in Tivat. Hier reihen sich Luxusyachten aneinander, und man ahnt, dass man mitten im Treffpunkt der „Schönen und Reichen“ steht. Doch trotz des mondänen Umfelds lädt die Strandpromenade auch ganz normale Reisende zu einer Pause ein – mit Cafés und Restaurants, in denen man zu den allgemein üblichen Preisen einen Kaffee oder ein Eis genießen kann. (Reel)









Unsere Gruppe teilte sich danach: Einige blieben noch und nahmen später den Bus, die anderen fuhren mit dem Schiff quer über die Bucht von Kotor, eines der schönsten Naturwunder der Adriaküste und seit 1979 Teil des UNESCO-Welterbes. Wir hatten die Bootsfahrt schon auf unserer letzten Rundreise mitgemacht. Die Überfahrt ist ein Erlebnis: tiefblaues Wasser, dahinter steile Hänge – und das Ziel schon von weitem sichtbar: die kleine Insel „Gospa od Škrpjela“ (Unsere Liebe Frau von den Felsen) mit ihrer hell leuchtenden Kirche und der blauen Kuppel.











Sie bewahrt unzählige Votivgaben von Seefahrern, kunstvolle Gemälde und filigrane Stickereien. Besonders berührend: ein Stickbild der Muttergottes, das im 19. Jahrhundert von einer Frau aus Perast angefertigt wurde – teilweise mit ihren eigenen Haaren bestickt, während sie jahrzehntelang auf die Rückkehr ihres Mannes von See wartete. Diese zarte Arbeit gilt bis heute als Symbol für Treue und Hoffnung. (Reel)
⛪Wusstest du … ?
Die kleine Insel „Unsere Liebe Frau von den Felsen“ entstand durch Menschenhand: Der Legende nach fanden Seefahrer dort im 15. Jahrhundert ein Marienbild und begannen, an dieser Stelle Steine und Schiffstrümmer zu versenken. Über Jahrhunderte wuchs daraus die Insel, die jedes Jahr beim traditionellen „Fašinada“-Fest weiter symbolisch vergrößert wird – dabei fahren Boote hinaus und werfen neue Steine ins Meer. So bleibt die Verbindung zwischen Glaube, Meer und Gemeinschaft bis heute lebendig.

Am Nachmittag traf sich die Gruppe wieder in Kotor – einer Stadt, die Geschichte und Atmosphäre auf einzigartige Weise verbindet. Wir bummelten durch die engen Gassen der Altstadt, vorbei an alten Palästen, kleinen Plätzen und – überall – Katzen.













Es wurde langsam Abend, die Gassen leerten sich und die Tagesgäste der Kreuzfahrtschiffe verschwanden zurück an Bord. Oben am Berg, an den kleinen Kirchen entlang der Festungsmauer, gingen nach und nach die Lichter an. Von einem der Plätze klang das Spiel eines Straßenmusikers, und über allem lag diese besondere Stimmung, die Kotor so unvergesslich macht – ein Ort, an dem man gerne bleiben möchte. (Reel)










🐈Wusstest du … ?
Kotor gilt nicht nur wegen seiner mittelalterlichen Altstadt als Welterbe, sondern auch als „Stadt der Katzen“. Die Samtpfoten sind hier allgegenwärtig – ein Erbe aus der Zeit der Seefahrer, die Katzen als Glücksbringer und Mäusefänger mitbrachten. Heute werden sie liebevoll von den Einwohnern versorgt, es gibt sogar ein kleines Katzenmuseum in der Altstadt. Die Bewohner sehen sie als Symbol für Freiheit und Gelassenheit – ganz passend zu diesem Ort am Meer.
Tag 4 – Montenegro
Morgensonne über der Adria – Budva, Sveti Stefan und die Küste Richtung Süden
Wir hatten in unserem persönlichen Lieblingshotel bei Budva übernachtet – ruhig gelegen, mit Blick auf das Meer – und das Glück, dadurch am Morgen als erste Reisegruppe bei der Ballerina und dann an der Stadtmauer von Budvas Altstadt zu stehen.




Das Licht war weich, die Gassen noch still, nur das Klappern der Fensterläden und das Rauschen der Wellen waren zu hören. Es duftete nach Kaffee und Gebäck und die Souvenirläden öffneten. Zwischen den engen Steingassen, den Stadtmauern und dem kleinen Hafen zeigte Budva seine schönste Seite – ohne Menschenmengen, ohne Eile, nur mit dem Geruch von Meer und Salz in der Luft.









Budva zählt zu den ältesten Städten der Adriaküste, seine Geschichte reicht über zweieinhalb Jahrtausende zurück. Schon die Illyrer siedelten hier, später kamen Griechen, Römer und Venezianer – Spuren all dieser Epochen lassen sich in der Altstadt bis heute entdecken. Besonders eindrucksvoll ist der Spaziergang entlang der alten Stadtmauer mit Blick auf das Meer und die vorgelagerte Insel Sveti Nikola, die die Einheimischen liebevoll „Hawaii“ nennen. (Reel)






💫 Wusstest du … ?
Budva gilt als „Königin der montenegrinischen Küste“ und als älteste Stadt des Landes – über 2.500 Jahre Geschichte prägen ihr Bild. Eines ihrer bekanntesten Wahrzeichen ist die Ballerina von Budva, eine Bronzestatue auf einem Felsen am Rand der Altstadt. Der Bildhauer Gradimir Aleksić schuf sie Mitte der 1960er-Jahre. Sie erinnert an eine junge Tänzerin, die hier täglich auf ihren Geliebten wartete, der von einer Seereise nicht zurückkehrte. Heute steht sie für Anmut, Hoffnung und Treue – und ist zugleich eines der meistfotografierten Motive der Adria.
Nach dem Rundgang folgte eine kurze Busfahrt zum Aussichtspunkt mit dem berühmten Blick auf Sveti Stefan – die kleine Halbinsel mit ihren ziegelroten Dächern, einst ein einfaches Fischerdorf, heute eines der exklusivsten Resorts der Adria. Vom Aussichtspunkt aus wirkt es fast unwirklich, wie eine Postkarte aus einer anderen Zeit.

Anschließend fuhren wir weiter entlang der Adriaküste Richtung Süden, eine Strecke, die kaum schöner sein könnte:


Das Meer zur Rechten, Olivenhaine und Pinien zur Linken, türkise Buchten und Dörfer mit weißen Häusern.
Unser Ziel war ein Strandhotel nahe der albanischen Grenze. Hier endete der Tag mit einem stillen Sonnenuntergang am Meer, das Wasser schimmerte kupfern, und im Mündungsbereich des Flusses spiegelten sich die Fischreusen, die noch heute traditionell genutzt werden. Es war einer dieser Abende, die man nicht so schnell vergisst.




Tag 5 – Albanien
Von Shkodra nach Ohrid – unterwegs auf den Spuren der Via Egnatia
Wir waren zeitig unterwegs, denn ein interessanter und vielgestaltiger Tag lag vor uns. Der Morgen begann in Shkodra, einer Stadt, die uns sofort mit ihrem fast orientalischen Flair überraschte. Wir begannen unseren Rundgang an der Stephans-Kathedrale mit ihren wunderschönen Deckenmosaiken. Die Häuser in den Gassen waren bunt bemalt. Zwischen Minaretten, kleinen Moscheen und den hellen Fassaden der Altstadt zog sich eine hübsche Fußgängerzone mit vielen kleinen Geschäften, Cafés und Eisdielen durch das Zentrum – belebt, freundlich und voller Leben. Hoch über der Stadt thront die Festung Rozafa, deren Silhouette schon von weitem zu erkennen ist. (Reel)













💡 Wusstest du … ?
Shkodra gilt als kulturelles Herz Nordalbaniens und war einst Hauptstadt des illyrischen Königreichs. Die ältesten Mauern der Festung Rozafa stammen aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. Der Legende nach wurde die Frau eines der Bauherren in die Mauern eingemauert, um die Festung zu stabilisieren – nur ihr Herz blieb unversehrt. Noch heute fließen unterhalb der Burg die drei Flüsse Buna, Drin und Kir zusammen, als Symbol für Leben, Kraft und Erinnerung.

Je näher wir Tirana kamen, desto dichter wurde der Verkehr. Unser Busfahrer hatte alle Hände voll zu tun: hupende Autos, unklare Fahrspuren, parken in der dritten Reihe, ein ständiges Vor und Zurück – doch er meisterte es mit Geduld und Humor. Ein hübscher Hingucker dazwischen – die bunten Zebrastreifen.
Im Zentrum erreichten wir den riesigen Skanderbeg-Platz, Herz der albanischen Hauptstadt. Hier steht das Reiterstandbild des Nationalhelden Gjergj Kastrioti Skanderbeg, umgeben von breiten Boulevards, Regierungsgebäuden im italienischen Stil, der alten Et’hem-Bey-Moschee mit ihren filigranen Malereien und den bunten Häusern, die Tiranas heutiges Stadtbild prägen.










Rund um den Platz ist das alte Tirana einem modernen, farbenfrohen Gesicht gewichen – ein Symbol für Aufbruch und Hoffnung.








Wir stiegen hinauf zur Pyramide von Tirana, einst 1988 als Museum für den Diktator Enver Hoxha erbaut und heute ein frei zugänglicher Aussichtspunkt. Von dort blickt man über die Stadt, auf neue Glastürme, grüne Parks und das geschäftige Treiben – ein Ort, der zeigt, wie schnell sich Albanien verändert. (Reel)





🎨Wusstest du … ?
Tirana war lange Zeit eine graue Stadt – geprägt von sozialistischen Betonblöcken. Erst ab dem Jahr 2000 begann der damalige Bürgermeister Edi Rama, selbst Künstler, die Fassaden bunt anmalen zu lassen. Das Projekt veränderte das Stadtbild vollständig: Wo früher Einheitsgrau herrschte, leuchten heute kräftige Farben, geometrische Muster und Kunstwerke. Diese Initiative wurde weltweit bekannt als Beispiel dafür, wie Kunst das Lebensgefühl einer ganzen Stadt verändern kann.
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Weiter ging es – Ein Teil der Strecke führte uns auf der historischen Römerstraße Via Egnatia, die einst die Adria mit Byzanz verband und heute als moderne länderübergreifende Autobahn ausgebaut wird. Vor Ohrid ist sie noch im Ausbau und auf den langsamen Abschnitten hatten wir Muße, das breite Flusstal und die Landschaft um uns zu betrachten.







Am Abend überquerten wir die Grenze nach Nordmazedonien. Nach den lauten Straßen Tiranas wirkte der Ohridsee wie ein anderes Universum: ruhig, klar, still. Das Wasser glitzerte im Abendlicht, und die kleinen Lichter am Ufer kündigten schon den nächsten Tag in einer neuen Welt an.
Tag 6 – Nordmazedonien
Zwischen Quellen und Kultur – ein Tag am Ohridsee

Der vorletzte Reisetag begann ruhig, mit einem Regenbogen über dem See und der Fahrt entlang des Sees zum Kloster Sveti Naum, einem der eindrucksvollsten Orte am Ohridsee.
Das Kloster Sveti Naum liegt auf einem Felsen über dem südlichen Ufer des Ohridsees – nur wenige Schritte von der albanischen Grenze entfernt. Schon beim Betreten des Klosterhofs lag eine besondere Stimmung in der Luft – friedlich, klar, beinahe andächtig. Zwischen schattigen Bäumen spazierten Pfauen, das leise Rauschen der Quellen mischte sich mit dem Läuten der Glocken, und über dem Wasser glitzerte die Sonne. Die heutige Kirche wurde im 16. Jahrhundert errichtet und beherbergt wertvolle Ikonen und Wandmalereien, die typisch für den Stil der mazedonischen Klostermalerei sind. Im Garten wachsen uralte Zypressen, und die frei umherlaufenden Pfauen gelten als Symbol des ewigen Lebens. Von der Terrasse des Klosters hat man einen spektakulären Blick über den See und die Quellen, aus denen er gespeist wird – ein Platz, an dem man gerne verweilt. (Reel)











🕊️Wusstest du … ?
Das Kloster gilt seit Jahrhunderten als Kraftort und Pilgerstätte. Gegründet wurde es im 10. Jahrhundert von Naum von Ohrid, einem Schüler der Slawenapostel Kyrill und Method. In seinem Umfeld entstand eine wichtige Schule für Literatur und Glauben, die zur Christianisierung der slawischen Völker beitrug.
Vom Kloster aus kann man mit kleinen Booten über das Quellgebiet fahren, das den Ohridsee mit glasklarem Wasser speist.


Für uns ging es weiter zum nahegelegenen Campingplatz, wo bereits das Mittagessen und eine Sonnenpause am Strand warteten.
Ein Teil unserer Gruppe nahm die Fähre über den See nach Ohrid, während die anderen mit dem Bus entlang des Ufers fuhren. Die Strecke bot immer wieder herrliche Ausblicke über das Wasser, das in der Nachmittagssonne fast silbrig glänzte.
In Ohrid ist das Klima mild, die Luft duftet nach Wasser und Stein. Wir wurden von den Skulpturen des Tauchers und der Gelehrten begrüßt. Dann bummelten wir durch die Altstadt mit ihren kopfsteingepflasterten Gassen, den vielen kleinen Kirchen, den weiß getünchten Häusern mit den für Ohrid typischen vorgebauten Obergeschossen, die sich fast über den Gassen begegnen. An vielen Ecken hängen die typischen Laternen, deren warmes Licht am Abend die alten Mauern in sanftes Gold taucht. Die Altstadt ist auf Besucher eingerichtet, Restaurants und Läden reihen sich aneinander. Am nächsten Tag sollten wir dann auch ausreichend Zeit für einen Einkaufsbummel haben. (Reel)












🌊Wusstest du … ?
Der Ohridsee gehört zu den ältesten Seen Europas – über zwei Millionen Jahre alt – und ist Teil des UNESCO-Welterbes für Natur und Kultur. Er ist Heimat zahlreicher endemischer Tierarten und wird von unterirdischen Karstquellen gespeist. Die Stadt Ohrid war im Mittelalter ein Zentrum der Gelehrsamkeit, mit der ersten slawischen Universität und (man sagt) 365 Kirchen. Noch heute nennt man sie das „Jerusalem des Balkans“.
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Der Tag am See klang aus mit einem fakultativen Balkan-Abend.
Tag 7 – Nordmazedonien
Altstadt, Abendlicht und Abschied vom Balkan
Der letzte Reisetag begann mit einem zweiten Spaziergang durch Ohrid. In den Gassen roch es nach frischem Gebäck, und die Händler öffneten langsam ihre Läden. Am frühen Morgen in weiches Licht getaucht, zeigte die Stadt noch einmal ihren ganzen Charme.
Von der berühmten Kirche des heiligen Johannes von Kaneo, die auf einem Felsen über dem See thront, bot sich ein atemberaubender Blick über das blaue Wasser – ein perfektes Fotomotiv.
Beim Bummel durch die Altstadt entdeckten wir immer wieder neue Ausblicke: auf das Wasser, auf die roten Ziegeldächer und auf die zahllosen Kirchen, die der Stadt ihr besonderes Gesicht geben. Von der Festung des Zaren Samuel, hoch über Ohrid, hat man einen weiten Blick über den See – still, blau und weit. (Reel)









Wir besuchten einen der Juweliere, der die Perlen verkauft, für die Ohrid berühmt ist. Einige nutzten die Gelegenheit für ein kleines Andenken. Aber Achtung, macht euch schlau und kauft nur Perlen mit Zertifikat (Link).

Natürlich waren wir auch auf dem Basar und kauften einige typischen Gewürze für die Erinnerungsküche zu Hause.
🌊Wusstest du … ?
Die berühmten Ohrid-Perlen werden seit über hundert Jahren von nur zwei Familien in geheimer Tradition hergestellt. Sie nutzen dazu die Schuppen des Plashica-Fisches aus dem Ohridsee. So entstehen Perlen mit unverwechselbarem Schimmer – ein echtes Stück lokaler Handwerkskunst.
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Nach dem Mittagessen begann der Rückweg nach Skopje. Die rund 180 Kilometer führten erneut durch die Berge, und während draußen die Herbst-Landschaft vorbeizog, herrschte im Bus eine Mischung aus Zufriedenheit und stiller Müdigkeit.





Am Abend erreichten wir wieder die Hauptstadt Skopje, wo alles begonnen hatte. Bei einem letzten Rundgang leuchteten die unzähligen Skulpturen, die Brunnen plätscherten und die Stadt zeigte sich mit ihrem ganz speziellen Zauber. (Reel)
















💡Wusstest du … ?
Skopje ist eine Stadt zwischen zwei Welten: Auf der einen Seite die moderne Neustadt mit Denkmälern und Boulevards, auf der anderen der alte Basarbezirk, einer der größten und besterhaltenen im gesamten Balkan. Wer abends über die Steinerne Brücke geht, spürt diesen Übergang zwischen Ost und West ganz unmittelbar. Die spätere Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa wurde 1910 in Skopje geboren. Nahe ihres Geburtshauses in der Altstadt wurde 2009 ein Gedenkhaus eröffnet.
Fazit
Wir blicken auf eine Woche voller Eindrücke zurück – auf Berge und Meeresbuchten, Klöster und Städte, Geschichten und Begegnungen. Eine Reise voller Vielfalt, die den Balkan von seiner ursprünglichen Seite zeigte. Vier Länder in einer Woche, jedes mit eigener Geschichte, eigenem Rhythmus und unverwechselbarem Charakter, vielfältig und überraschend.
Von den stillen Fresken in den Klöstern über die leuchtenden Farben Tiranas bis zu den Abendlichtern am Ohridsee – es war eine Reise voller Eindrücke, Begegnungen und kleiner Momente.
Die Route führt abseits der bekannten Wege, durch Länder, die noch nicht vom Tourismus überlaufen sind – und gerade deshalb so nahbar wirken. Wer sich auf diese Mischung aus Kultur, Natur und echten Menschen einlässt, wird voller Eindrücke zurückkommen. Aber – sie ist eine für Entdecker, die auch mit unfertigen Straßen, auf Busse voll Touristen unvorbereiteten Hotels und unüberladenen Buffetts gut umgehen können. Verwöhnte Touristen sollten also besser noch eine Weile warten.
Was es noch zu sagen gäbe
Die Hotels waren meist schön und gut gelegen, gelegentlich aber mit 45-90 Gästen zeitgleich etwas überfordert. Die Buffets waren einfach gehalten, aber ausreichend – mit Ausnahme von Montenegro, wo uns Unterbringung, Auswahl und Qualität wieder absolut überzeugten.
Die Startzeiten am Morgen waren recht früh, doch so blieb an den Besichtigungsorten genügend Zeit. Durch die langen Strecken und die teils anspruchsvollen Passstraßen sowie die Grenzübergänge waren die Fahrzeiten manchmal länger, dafür wechselten sich Stadtführungen am Morgen und gegen Abend angenehm ab. Zwischendurch gab es immer wieder Pausen für Kaffee oder auch ein Mittagessen unterwegs. Wer kein Abendessen im Hotel gebucht hatte, konnte so tagsüber warme Mahlzeiten genießen oder sich unterwegs versorgen.
Ein kleiner Hinweis: Leitungswasser ist nicht überall trinkbar. Wer empfindlich reagiert und kein Wasser kaufen möchte, sollte Reinigungstabletten oder einen Wasserkocher im Gepäck haben. Im Nicht-EU-Ausland entfällt außerdem die Handy-Flat, doch in den Hotels und fast allen Restaurants steht WLAN kostenlos zur Verfügung. Für unterwegs empfiehlt es sich, die gewünschte Region in Google Maps offline herunterzuladen – so bleibt man auch ohne Netz gut orientiert.
Während der Rundreise standen auch einige Verkaufsveranstaltungen auf dem Programm – Lederwaren, Teppiche oder Schmuck. Diese Präsentationen tragen einerseits zur Finanzierung der Reise bei, bieten aber auch immer wieder interessante Einblicke in traditionelle Handwerkskunst und regionale Materialien.
Mehr erfahren? – Unsere anderen RSD-Reiseberichte findet ihr hier.

Monika
Hallo, ein sehr schöner Reisebericht, der Lust auf die Reise macht.
Wir starten am 19. März zu dieser Rundreise.
Jetzt sind wir am überlegen, ob wir das Genusspaket buchen oder uns auf das Abenteuer essen suchen einlassen sollen.
Vl gibt es da einen Tipp. Das wäre schön.
Herzliche Grüße
Monika
Irene Dippel
Wir haben diese Reise vom 08.-15. März 2026 gemacht. Alles so wie beschrieben. Besonders gut hat uns die vor Ort angebotene Bootsfahrt nach Kotor gefallen. Das Genusspaket kann ich persönlich empfehlen. So kann man die Freizeit genießen und nicht nach Essen schauen. Die Hotels sind nicht überall zentral.
Monika Oetzel
Vielen Dank für die Rückmeldung. Wir starten morgen und sind schon sehr gespannt. Das Genusspaket ist gebucht 🙂
Dagmar Richarz
Ich werde diese Reise Ende März unternehmen und freue mich sehr aufgrund deiner eindrucksvollen Beschreibung. Schon jetzt kann ich mir vorstellen, dass mich wunderbare Eindrücke erwarten. Ich hoffe, ich kann auch im Nachhinein deine Begeisterung teilen. Die vielen Fotos sind spitze. Danke !
Dagmar
28.12.25
Fabian
Danke für das Lob! Ich wünsche eine tolle Reise – und – wie beschrieben, der Tourismus ist noch im Aufbau, rechne also nicht mit dem tollsten Komfort, aber sie bemühen sich – und die unbekannten Ziele zu sehen, ist die Reise schon alleine wert!
Guten Rutsch
Conny & Fabian
Birgitt Pioch
Du hast diese Reise, die wir auch eine Woche wohl nach dir unternahmen, ganz wunderbar und voller Atmosphäre geschildert! Danke!
Sehr sehr schön zu lesen, gerade auch im Nachhinein.
Birgitt