EU-Welterbestätten, Portugal

Welterbe (auf)gespürt und (er)fahren – P – Laurisilva auf Madeira

Es war Frühling auf Madeira – die Insel leuchtete in sattem Grün, die Atlantikluft roch nach Salz und Blüten. Wir waren von unserer kleinen Ferienwohnung aus mit einem Mietwagen unterwegs, um die Insel zu erkunden. Eines unserer Highlights: der geheimnisvolle Lorbeerwald, der seit seit 1999 auf der UNESCO-Welterbeliste steht.

Der Laurisilva (Lorbeerwald) ist ein Überbleibsel der uralten Lorbeerwälder, die vor 15–40 Millionen Jahren weite Teile Südeuropas bedeckten. Heute sind sie nur noch auf den Azoren, Madeira und den Kanarischen Inseln anzutreffen. Auf Madeira hat sich dieser Schatz der Natur auf rund 15.000 Hektar erhalten. Hier gibt es eine Fülle ökologischer Nischen und intakter Ökosystemprozesse. Die Wälder spielen eine zentrale Rolle für den Wasserhaushalt der Insel und sind von großer Bedeutung für den Erhalt der Biodiversität. Mindestens 76 endemische Gefäßpflanzenarten Madeiras kommen hier vor, ebenso wie eine hohe Anzahl endemischer Wirbelloser und zwei endemische Vogelarten, darunter die symbolträchtige Madeira-Lorbeertaube. Hier geht es zum Einführungsvideo.

Die Insel ist voll von Besuchern, es empfiehlt sich deshalb, zeitig zu starten, wenn die Straßen und allen voran die Parkplätze noch leer sind. Zum Lorbeerwald gibt es verschiedene Zugänge, wir haben den von Fanal gewählt und auf dem Wanderparkplatz noch eine freie Lücke gefunden.

Ein feiner Nieselregen empfing uns, als wir den Parkplatz erreichten. Feenwald-Stimmung : Nebel umhüllte die Hänge, die Stille wurde nur durch das Tropfen des Wassers und das gelegentliche Muhen von Kühen unterbrochen.

Die alten Bäume des Laurisilva sind von Moosen, Farnen und Flechten überzogen, ihre knorrigen Äste greifen wie in einem Märchen in den Nebel.

Immer wieder tropft Wasser von den Blättern – ein Zeichen für das ausgeklügelte Ökosystem, das Wasser sammelt und die Insel mit Feuchtigkeit versorgt.

Plötzlich tauchten aus dem Dunst mehrere Kühe mit ihren Kälbchen auf. Sie standen friedlich zwischen den Lorbeerbäumen, ihre Umrisse verschwammen im Nebel. Wir zückten die Handys – was für ein Moment!

Je weiter wir wanderten, desto lichter wurde der Nebel. Schließlich brach die Sonne blass durch die Wolken. Die spiegelglatten Wasserflächen der kleinen Seen reflektierten die knorrigen Baumkronen – ein zauberhaftes Bild, das noch lange in Erinnerung bleiben wird. Hier ist unser kleines Video.

Nach dem Laurisilva machten wir uns auf zu einer Levada-Wanderung. Die schmalen Pfade entlang der Wasserkanäle bieten immer wieder neue Ausblicke auf die grünen Täler und die Küste. Besonders spannend sind die Tunnel, in denen das Wasser nicht nur neben dem schmalen Pfad fließt, sondern auch von der niedrigen Decke tropft. Meist kommt man auch an Wasserfällen vorbei – mit oder ohne Dusche.

Am Nachmittag fuhren wir in den kleinen Küstenort Madalena do Mar mit seinen Bananenfeldern. Wir badeten im Atlantik, aßen reife, sonnenwarme Bananen direkt vom Marktstand – ein perfekter Ausklang für diesen Tag im Naturparadies.

🌱 Eine Wanderung durch den Lorbeerwald ist ein Highlight und Muss bei einem Aufenthalt auf Madeira. Am schönsten ist der Laurisilva am Morgen, wenn noch wenig los ist und der Nebel eine fast magische Atmosphäre schafft. Feste Schuhe und Regenjacke nicht vergessen – hier wechselt das Wetter in Minuten.

📍 Für Levada-Wanderungen gibt es z.B. auf komoot Tourenvorschläge aller Schwierigkeitsgrade – ideal mit einem Besuch im Lorbeerwald zu kombinieren.

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