Im Mai nach Irland – das stand schon lange auf unserer Wunschliste. Und tatsächlich hätten wir uns kaum eine bessere Reisezeit aussuchen können. Gelb blühender Ginster säumte die Straßen, auf den Weiden tollten unzählige Lämmchen herum und die Frühlingssonne zeigte sich öfter, als wir es Irland zugetraut hätten.
Zwei Wochen waren wir mit dem Mietwagen unterwegs und entdeckten dabei nicht nur spektakuläre Küstenlandschaften und historische Sehenswürdigkeiten, sondern vor allem ein Land, das uns mit seiner Gelassenheit und Freundlichkeit begeistert hat.
Vielleicht habt ihr unsere Reise bereits in den Instagram-Stories auf @dobbystories oder @rollerlilli verfolgt. Für alle anderen gibt es hier noch einmal die ausführliche Rundreise durch Irland.
Bevor wir euch zu den einzelnen Stationen unserer Reise mitnehmen, noch ein paar praktische Hinweise zur
Vorbereitung und Organisation
Geflogen sind wir mit der irischen Fluggesellschaft Aer Lingus von Düsseldorf nach Dublin. Das im Ticket enthaltene Aufgabegepäck von 10 kg reichte für unseren zweiwöchigen Aufenthalt völlig aus. Vom Flughafen gelangt man bequem mit dem Airport-Shuttlebus ins Stadtzentrum. Es lohnt sich, für die Hin- und Rückfahrt ein entsprechendes Kombiticket zu kaufen.
Wie so oft haben wir unsere Unterkünfte über Booking.com gebucht. Für unsere Rundreise haben wir jeweils mehrere Nächte in Dublin, im Süden nahe Macroom und später im Norden der Insel bei Glencolumbkille verbracht. Diese Aufteilung hat sich bewährt, denn obwohl Irland auf der Karte überschaubar wirkt, sollte man die Fahrzeiten nicht unterschätzen. Viele Straßen sind schmal und kurvenreich, sodass man oft langsamer vorankommt als erwartet. Ein kleiner Mietwagen ist daher eindeutig die entspanntere Wahl.
Die Insel bietet eine unglaubliche Fülle an Sehenswürdigkeiten. Wer nicht jeden Tag stundenlang im Auto sitzen möchte, sollte sich vorab einige persönliche Highlights aussuchen und auch etwas Spielraum für spontane Stopps oder einen Regentag lassen. Wir haben die ersten Tage komplett in Dublin verbracht und unseren Mietwagen erst am vierten Tag direkt am Flughafen übernommen. Viele Anregungen für unsere Route fanden wir dabei wieder in den ADAC-Reiseführern und der ADAC-App.
Wer auch Nordirland besuchen möchte, beispielsweise den berühmten Giant’s Causeway, sollte dies bereits bei der Buchung des Mietwagens angeben. Die Fahrt über die unsichtbare Grenze ist problemlos möglich, wird aber von den Vermietern meist mit einem zusätzlichen Aufpreis berechnet. Ebenfalls wichtig: Für das Vereinigte Königreich wird inzwischen eine elektronische Einreisegenehmigung (ETA) benötigt, die rechtzeitig vor Reisebeginn beantragt werden sollte.
Einkaufen und Essen gehen ist in Irland unkompliziert. Natürlich gehört ein Besuch im Pub unbedingt dazu. Überraschend groß fanden wir außerdem das Angebot von Too Good To Go, wie wir es so bereits aus Großbritannien kannten.
An vielen Sehenswürdigkeiten stehen QR-Codes bereit, über die man kostenlose Informationen oder Audioguides abrufen kann. Kopfhörer im Gepäck sind daher keine schlechte Idee. In Dublin gibt es zusätzlich die sogenannte „Dub Line“, einen markierten Stadtrundgang durch das historische Zentrum, sowie verschiedene „sprechende Skulpturen“, die per Smartphone ihre Geschichte erzählen. Vielerorts begegnet man den berühmten Dichtern der Stadt – James Joyce, Oscar Wilde, Jonathan Swift oder auch Bram Stoker.
Ein Tipp für Kulturinteressierte: Die großen Kathedralen bieten kostenlosen Zugang zu den Abendgottesdiensten, den traditionellen Evensongs. So konnten wir einige der beeindruckendsten Kirchen sogar beim Orgelkonzert erleben.
Und noch etwas haben wir schnell gelernt: Die üppige grüne Landschaft kommt nicht von ungefähr. Selbst wenn morgens die Sonne scheint, sollte in Irland immer eine Regenjacke im Tagesrucksack Platz finden. Das Wetter wechselt manchmal schneller als die Aussicht hinter der nächsten Kurve.
Dublin – ein perfekter Einstieg in die Reise
Dublin ist ein idealer Ort, um die ersten Tage einer Irlandreise zu verbringen. Die Hauptstadt vermittelt einen guten Eindruck von Land und Leuten und verbindet Geschichte, Kultur und Lebensfreude auf angenehm entspannte Weise. (Impressionen1, Impressionen2, Impressionen3)
Unser Hotel lag mitten im berühmten Temple-Bar-Viertel. Die Wege in der Innenstadt sind jedoch kurz, sodass man ebenso gut auf der anderen Seite des Flusses Liffey wohnen kann. Viele Sehenswürdigkeiten lassen sich bequem zu Fuß erreichen.









Neben dem lebendigen Stadtleben mit seinen zahlreichen Pubs, den farbenfrohen Häuserfassaden und den berühmten Dublin Doors erwarten Besucher weitläufige Parks, historische Gebäude und eine Atmosphäre, die sofort Urlaubsstimmung aufkommen lässt.









Wer sich etwas Zeit nimmt, durch die Straßen zu schlendern, entdeckt an fast jeder Ecke interessante Details und spannende Geschichten.









Dem aufmerksamen Betrachter wird nicht entgehen, wie an fast jeder Ecke den großen Söhnen der Stadt gehuldigt wird.







Einige besondere Highlights solltet ihr euch während eures Aufenthalts allerdings keinesfalls entgehen lassen.
Trinity College und das Book of Kells
Mitten im lebhaften Zentrum Dublins öffnet sich hinter den Toren des Trinity College eine ganz andere Welt. Statt Verkehrslärm und Einkaufsstraßen erwarten die Besucher ruhige Innenhöfe, historische Gebäude und eine Atmosphäre, die an die großen Universitätsstädte Großbritanniens erinnert.
Die Universität wurde bereits 1592 von Königin Elisabeth I. gegründet und ist die älteste Hochschule Irlands. Beim Spaziergang über den weitläufigen Campus begegnet man Gebäuden aus mehreren Jahrhunderten, gepflegten Grünflächen und immer wieder Studierenden, die zwischen Vorlesungen und Bibliothek unterwegs sind.







Ein Highlight ist die berühmte Old Library mit ihrem beeindruckenden Long Room. Der rund 65 Meter lange Bibliothekssaal mit seinen dunklen Holzregalen, den alten Büchern und den Marmorbüsten wirkt beinahe wie eine Filmkulisse. Kein Wunder, dass er zu den bekanntesten Bibliotheksräumen Europas zählt.



Die meisten Besucher kommen allerdings wegen eines ganz besonderen Schatzes hierher: dem Book of Kells. Die prachtvoll verzierte Handschrift entstand vermutlich um das Jahr 800 und zählt zu den bedeutendsten mittelalterlichen Manuskripten der Welt. Ihre kunstvollen Verzierungen, farbenprächtigen Illustrationen und filigranen Ornamente beeindrucken bis heute. Ursprünglich wurde das Evangeliar von Mönchen geschaffen und später nach Irland gebracht, wo es vor Wikingerüberfällen geschützt werden sollte.








Die Ausstellung rund um das Book of Kells ist modern gestaltet und vermittelt anschaulich, mit welchem Aufwand mittelalterliche Mönche solche Handschriften anfertigten und was daraus zu lesen ist.
Wer möchte, kann den Besuch zusätzlich mit einem Audioguide oder einer Führung über das Universitätsgelände verbinden. Für uns war das Trinity College nicht nur eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Dublins, sondern auch ein schöner erster Eindruck von der langen Geschichte und Kultur Irlands.
Kilmainham Gaol – ein Ort, der Geschichte spürbar macht
Nur wenige Kilometer westlich des Stadtzentrums liegt mit Kilmainham Gaol einer der eindrucksvollsten historischen Orte Dublins. Von außen wirkt das ehemalige Gefängnis zunächst unscheinbar, doch hinter den dicken Mauern verbirgt sich ein wichtiger Teil der irischen Geschichte.
Bei einer Führung durch die Zellenblöcke wird schnell deutlich, dass dies weit mehr als nur ein altes Gefängnis ist. Hier wurden über viele Jahrzehnte Männer, Frauen und sogar Kinder inhaftiert. Besonders während des 19. Jahrhunderts spielte Kilmainham Gaol eine zentrale Rolle in der irischen Unabhängigkeitsbewegung. Zahlreiche politische Gefangene saßen hier ein, darunter mehrere Anführer des Osteraufstands von 1916. Einige von ihnen wurden später im Gefängnishof hingerichtet.
Beeindruckend ist vor allem die große zentrale Halle mit ihren übereinanderliegenden eisernen Galerien und dem hohen Glasdach. Viele Besucher haben beim Betreten sofort ein Gefühl, den Ort zu kennen, denn dieser Bereich diente bereits mehrfach als Filmkulisse. Unter anderem wurden hier Szenen für Im Namen des Vaters und Michael Collins gedreht.










Das Museum und die Führung vermittelten nicht nur Fakten, sondern machten auch deutlich, welche Bedeutung dieser Ort für die Entstehung des modernen Irlands hatte. Gerade deshalb zählt Kilmainham Gaol heute zu den wichtigsten historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Da die Teilnehmerzahlen für die Führungen begrenzt sind, lohnt sich eine rechtzeitige Reservierung. Für uns war der Besuch per Zufall im Rahmen einer Sonderführung möglich.
Royal Hospital Kilmainham – ein ruhiger Ort abseits der Touristenströme
Zu den eher unbekannten, aber ebenso eindrucksvollen Sehenswürdigkeiten Dublins gehört das Royal Hospital Kilmainham. Das monumentale Gebäude wurde ab 1680 nach dem Vorbild des Pariser Hôtel des Invalides errichtet und diente ursprünglich als Alters- und Pflegeheim für ehemalige Soldaten der britischen Armee. Damit gilt es als das älteste noch erhaltene frühneuzeitliche Hospital Irlands. Die weitläufige Anlage mit ihren symmetrischen Innenhöfen, langen Fassaden und gepflegten Gärten vermittelt einen Eindruck von der repräsentativen Architektur des 17. Jahrhunderts.
Heute befindet sich in dem Gebäude das Irish Museum of Modern Art. Im kleinen Torhaus gibt es außerdem eine kostenlose Ausstellung zur Geschichte des Hospitals. Wer freundlich nachfragt und und wie wir das Glück hat, außerhalb größerer Veranstaltungen hier zu sein, hat sogar die Möglichkeit, durch die historischen Säle geführt zu werden. Allein die Innenhöfe und die ruhige Anlage machen den Besuch bereits lohnenswert.









Dublin Castle und die Chester Beatty Library
Mitten in der Innenstadt erinnert das Dublin Castle an die lange und oft wechselvolle Geschichte Irlands. Über Jahrhunderte war die Anlage das Zentrum der britischen Verwaltung auf der Insel, heute dient sie vor allem repräsentativen Aufgaben des irischen Staates. Hier finden offizielle Empfänge, Staatsbesuche und wichtige politische Veranstaltungen statt.
Bei unserem Besuch konnten wir das Schloss allerdings nur von außen bewundern. Große Teile der Anlage waren bereits wegen der Vorbereitungen auf die irische EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2026 geschlossen. Trotzdem lohnt sich ein Spaziergang durch das Gelände und die umliegenden Bereiche der Altstadt.





Hinter dem Schloss führt der Weg vorbei an Resten der historischen Stadtmauer und durch eine kleine Parkanlage zur Chester Beatty Library. Allein dieser interessante Bereich mitten im Zentrum Dublins ist einen Abstecher wert.
Die Bibliothek beherbergt eine außergewöhnliche Sammlung historischer Handschriften, religiöser Texte und Kunstwerke aus aller Welt. Zu den Ausstellungsstücken gehören kunstvoll verzierte mittelalterliche Manuskripte, jahrhundertealte Korane, buddhistische Schriftrollen und seltene Drucke aus Asien. Die Sammlung geht auf den Bergbauingenieur und Kunstsammler Sir Alfred Chester Beatty zurück, der sie Irland vermachte.












Besonders angenehm fanden wir, dass nicht nur der Eintritt frei ist. Die Bibliothek bietet darüber hinaus regelmäßig kostenlose Führungen, Vorträge, Workshops und kulturelle Veranstaltungen an. Nicht ohne Grund wurde sie mehrfach als eines der besten Museen Europas ausgezeichnet.
Für uns war die Chester Beatty Library eine schöne Überraschung während unseres Dublin-Aufenthalts – ein ruhiger Ort voller faszinierender Geschichten, nur wenige Schritte vom geschäftigen Stadtzentrum entfernt. Tipp – unbedingt auf den Dachgarten gehen!







Großen Kathedralen mit besonderen musikalischen Momenten und und eine kleine Kirche mit einem ungewöhnlichen Geheimnis
Zu den ganz besonderen Bauwerken Dublins gehören die beiden mittelalterlichen Kathedralen der Stadt. Sie lassen sich gut bei einem Spaziergang durch die Altstadt miteinander verbinden.
Die Christ Church Cathedral ist die ältere der beiden Kirchen. Ihre Ursprünge reichen bis ins Jahr 1030 zurück, als der Wikingerkönig Sitric Silkbeard an dieser Stelle die erste Kirche errichten ließ. Damit steht sie seit fast tausend Jahren im Herzen Dublins. Besonders bekannt ist die Kathedrale für ihre mittelalterliche Architektur und die große Krypta, die zu den ältesten erhaltenen ihrer Art in Irland zählt.







Wir hatten das Glück, während unseres Besuchs ein kostenloses Orgelkonzert zu erleben. Die Klänge erfüllten das hohe Kirchenschiff und verliehen dem historischen Bau eine ganz besondere Atmosphäre. Für uns war dies einer dieser ungeplanten Reisemomente, die lange in Erinnerung bleiben.










Etwas südlich davon erhebt sich die St Patrick’s Cathedral, die größte Kirche Irlands. Sie wurde im 13. Jahrhundert zu Ehren des irischen Nationalheiligen errichtet und gilt heute als Nationalkathedrale der Church of Ireland. Bekannt ist sie auch durch den Schriftsteller Jonathan Swift, den Autor von Gullivers Reisen, der hier viele Jahre als Dekan wirkte und in der Kathedrale begraben liegt.




Am Abend besuchten wir dort den kostenlosen Evensong. Auch für Besucher, die sonst eher wegen der Geschichte oder Architektur unterwegs sind, ist ein solcher Gottesdienst eine besondere Gelegenheit, die Kathedrale einmal ganz ursprünglich zu erleben.
Bei unserem Spaziergang nördlich der Liffey entdeckten wir die St. Michan’s Church, eine der ältesten Pfarrkirchen Dublins. Bereits im 11. Jahrhundert stand hier eine Kirche, der heutige Bau stammt aus dem späten 17. Jahrhundert. Der markante Turm gehörte lange Zeit zu den höchsten Bauwerken der Umgebung.
Berühmt ist die Kirche vor allem für ihre Gruften. In den Gewölben unter dem Gebäude herrschen besondere klimatische Bedingungen, durch die einige der dort Bestatteten auf natürliche Weise mumifiziert wurden. Die Führungen durch die unterirdischen Kammern zählen zu den ungewöhnlichsten Erlebnissen in Dublin.
Doch auch musikalisch hat die Kirche Geschichte geschrieben. Im Inneren befindet sich eine der ältesten noch spielbaren Orgeln Irlands. Georg Friedrich Händel soll hier während seines Aufenthalts in Dublin auf dem Instrument gespielt haben. In der Stadt brachte er 1742 auch sein berühmtes Oratorium „Messiah“ erstmals zur Aufführung.
Die Kirche liegt etwas abseits der klassischen Touristenrouten, doch die Mischung aus Geschichte, Musik und den berühmten Gruften sollte man sich nicht entgehen lassen.





House of Lords, City Hall und Four Courts – Zwischen Politik, Justiz und Stadtgeschichte
Direkt neben dem Trinity College steht ein Gebäude, an dem viele Besucher achtlos vorbeigehen. Dabei verbirgt sich hinter der heutigen Bank of Ireland ein wichtiges Kapitel der irischen Geschichte.
Das repräsentative Gebäude war im 18. Jahrhundert Sitz des irischen Parlaments und beherbergte bis zum Act of Union von 1801 das House of Lords. Erst danach verlor Irland sein eigenes Parlament und wurde direkt von London aus regiert.
Auch wenn das Gebäude heute als Bank genutzt wird, sind einige der historischen Bereiche weiterhin zugänglich. Besonders sehenswert ist der ehemalige Sitzungssaal des House of Lords mit seiner aufwendig gestalteten Kassettendecke und den historischen Wandteppichen.




Der Besuch dauert nicht lange, bietet aber einen interessanten Einblick in die politische Vergangenheit Irlands. Für uns war es eine kleine schöne Entdeckung.
Ebenfalls sehenswert ist die Dublin City Hall. Das klassizistische Gebäude wurde ursprünglich als Handelsbörse errichtet und dient heute repräsentativen Aufgaben der Stadt. Besonders die große Rotunde mit ihrer Kuppel vermittelt einen Eindruck von der Bedeutung, die Dublin als Handels- und Verwaltungszentrum einst besaß. Der Eintritt ist kostenlos, und die kleine Ausstellung zur Stadtgeschichte macht den Besuch auch für Nicht-Historiker interessant.





Eine eher zufällige Entdeckung waren für uns die Four Courts, der Sitz der höchsten irischen Gerichte am Ufer der Liffey. Mit seiner großen Kuppel zählt der Bau zu den markantesten klassizistischen Gebäuden Dublins und spielt bis heute eine wichtige Rolle im irischen Justizwesen.


Normalerweise hätten wir das Gebäude vermutlich nur von außen betrachtet. Dank eines Too-Good-To-Go-Angebots in einem der dortigen Cafés kamen wir jedoch ins Innere und konnten einen Blick in die beeindruckende Eingangshalle werfen.
Dublin North – entlang der O’Connell-Street bis zum Parnell Square
Ein Spaziergang durch Dublin führt früher oder später über die O’Connell Street, die breite Hauptstraße der Stadt. Hier zeigt sich Dublin von seiner geschäftigen Seite. Busse, Straßenbahnen und zahlreiche Menschen prägen das Bild, während sich zwischen modernen Geschäften immer wieder Spuren der irischen Geschichte entdecken lassen.
Besonders ins Auge fällt der rund 120 Meter hohe Spire of Dublin, eine schlanke Edelstahlnadel, die heute zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt gehört. Nicht weit davon entfernt steht das imposante General Post Office (GPO). Das Hauptpostamt spielte eine zentrale Rolle beim Osteraufstand von 1916, als hier die irische Unabhängigkeitserklärung verlesen wurde. Bis heute gilt das Gebäude als eines der wichtigsten Symbole der modernen irischen Geschichte.






Folgt man der Straße weiter nach Norden, gelangt man zum ruhigeren Parnell Square. Die georgianischen Häuserreihen mit ihren bunten Haustüren zeigen ein ganz anderes Gesicht Dublins. Die berühmten Dublin Doors sind längst zu einem Symbol der Stadt geworden und gehören zu den meistfotografierten Motiven der irischen Hauptstadt.
Am Parnell Square wollten wir eigentlich auch noch das James Joyce Centre besuchen. Das Museum erinnert an den wohl bekanntesten Sohn der Stadt, dessen Roman Ulysses heute zu den bedeutendsten Werken der modernen Literatur zählt. Leider standen wir vor verschlossenen Türen – ein guter Grund, irgendwann noch einmal nach Dublin zurückzukehren.
Unterwegs entdeckten wir außerdem den Garden of Remembrance, eine kleine Gedenkanlage für die irischen Freiheitskämpfer, die mitten in der Stadt einen überraschend ruhigen Ort bildet.






Für eine Mittagspause fanden wir schließlich einen ganz besonderen Ort: das Restaurant The Bank in einem ehemaligen Bankgebäude am College Green. Der frühere Schalterraum mit seinen hohen Decken, Säulen, Mosaikböden und dem prachtvollen Glasdach ist bis heute erhalten und verleiht dem Restaurant eine außergewöhnliche Atmosphäre.




Solche kleinen Entdeckungen machten für uns einen großen Teil des Reizes von Dublin aus – oft lohnt es sich, einfach ein wenig durch die Straßen zu schlendern und die Augen offen zu halten.
Guinness, Whiskey und das Leben in den Pubs
Kaum etwas wird so sehr mit Irland verbunden wie ein Pint Guinness. Entsprechend stand auch bei uns die Frage im Raum, ob wir das berühmte Bier lieber im Guinness Storehouse kennenlernen oder direkt in einem der zahlreichen Pubs probieren sollten. Am besten macht man natürlich beides.




Die Geschichte von Guinness begann 1759, als Arthur Guinness die Brauerei am St. James’s Gate für die erstaunliche Dauer von 9.000 Jahren pachtete. Was damals auf einem vier Hektar großen Gelände begann, entwickelte sich zur bekanntesten Biermarke Irlands. Im Guinness Storehouse erfahren Besucher auf mehreren Etagen mehr über die Geschichte der Brauerei, die Herstellung des berühmten Stouts und die Entwicklung der Marke. Besonders beliebt ist die Gravity Bar unter dem Dach des Gebäudes, von der sich ein weiter Rundblick über Dublin bietet.
Mindestens genauso wichtig wie das Bier ist in Irland allerdings die Atmosphäre drumherum. In den traditionellen Pubs mit dunklem Holz, Livemusik und lebhaften Gesprächen erlebt man ein Stück irischer Alltagskultur, das sich kaum beschreiben lässt. Hier wird nicht nur getrunken, sondern erzählt, diskutiert und musiziert.




Neben Guinness gehört natürlich auch irischer Whiskey zur Kultur des Landes. Im 19. Jahrhundert war er zeitweise sogar berühmter als sein schottischer Verwandter. Heute laden Destillerien wie Jameson oder Teeling dazu ein, mehr über die Herstellung zu erfahren. Typisch für viele irische Whiskeys ist die dreifache Destillation, die oft für einen besonders weichen Geschmack sorgt. Wir probierten unter anderem einen ausgezeichneten Writers‘ Tears und verstanden danach sehr gut, warum irischer Whiskey so beliebt ist.
Whiskey-Brennerei am besonderen Ort – in einer Kirche.


Abends zog es uns immer wieder ins Viertel rund um die Temple Bar. Dabei bezeichnet der Name eigentlich nicht nur den berühmten roten Pub, sondern ein ganzes Altstadtviertel mit engen Gassen, Kopfsteinpflaster, kleinen Musiklokalen und unzähligen Kneipen. In den 1970er Jahren sollte das Gebiet teilweise sogar abgerissen werden, bevor man seinen kulturellen Wert erkannte und es zu neuem Leben erweckte.








Der bekannte Temple-Bar-Pub mit seiner roten Fassade gehört heute zu den meistfotografierten Orten der Stadt. Rundherum herrscht besonders am Abend reges Treiben. Aus offenen Türen klingt Livemusik auf die Straße, Straßenmusiker spielen traditionelle Melodien, und in vielen Lokalen wird bis spät in die Nacht gesungen.






Zugegeben: Das Viertel ist touristisch und die Preise liegen oft etwas höher als anderswo in der Stadt. Trotzdem lohnt sich ein Spaziergang durch die engen Gassen. Zwischen den bekannten Lokalen entdeckt man immer wieder ruhigere Ecken, historische Häuser und gemütliche Pubs, in denen sich die irische Musik- und Pubkultur ganz entspannt genießen lässt.
Auf in den Süden – erste Stopps zwischen historischen Mauern
Nach den Tagen in Dublin übernahmen wir schließlich unseren kleinen Mietwagen am Flughafen und machten uns auf den Weg in den Süden der Insel. Unser Ziel für die nächsten Tage war ein Ferienhaus am Stadtrand von Macroom in der Grafschaft Cork.
Die ersten Kilometer führten über die volle Autobahn, wo wir uns rasch an den Linksverkehr gewöhnen mussten. Als wir die größeren Straßen verließen und die typischen schmalen Landstraßen erreichten, war ebenso volle Konzentration gefragt. Hohe Hecken, enge Kurven und gelegentliche Begegnungen mit Traktoren machten schnell deutlich, warum ein kleines Auto in Irland eine gute Wahl ist.
Bevor wir unser Ferienhaus erreichten, standen allerdings noch zwei Zwischenstopps auf dem Programm: die beeindruckende Klosterruine Jerpoint Abbey und die historische Stadt Kilkenny mit ihrem berühmten Schloss.
Jerpoint Abbay – Geschichten aus Stein
Unser erster Halt führte uns nach Jerpoint Abbey, die etwas versteckt in der grünen Hügellandschaft südlich von Kilkenny liegt. Schon die Anfahrt über die schmalen Dorfstraßen vermittelte genau das Bild von Irland, das man im Kopf hat: saftig grüne Wiesen, Steinmauern, Schafe und immer wieder kleine Gehöfte entlang der Strecke.

Die ehemalige Zisterzienserabtei wurde im 12. Jahrhundert gegründet und zählt heute zu den schönsten Klosterruinen des Landes.








Schon beim Betreten der Anlage fühlten wir uns – nicht zuletzt durch den dunklen Himmel über den alten Mauern – ein wenig wie in einer Filmkulisse. Zwischen den Bögen des Kreuzgangs, den verwitterten Grabsteinen und den historischen Gebäuderesten scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Dabei ist es nicht die Größe der Abtei, die beeindruckt, sondern die Fülle an Details.
Besonders faszinierte uns der außergewöhnlich gut erhaltene Kreuzgang. Immer wieder blieben wir stehen, weil sich zwischen den Säulen neue Figuren entdecken ließen: Mönche, Ritter, Bischöfe, Tiere und Szenen aus dem mittelalterlichen Alltag. Je länger wir hinschauten, desto mehr Einzelheiten fielen uns auf.










Obwohl die Abtei nach der Klosterauflösung im 16. Jahrhundert verfiel, vermittelt sie noch immer einen lebendigen Eindruck vom früheren Klosterleben. Zwischen den alten Mauern herrscht eine ganz besondere Atmosphäre, die uns sofort in das ländliche Irland vergangener Jahrhunderte und unseren neuen Urlaubsabschnitt eintauchen ließ.
Kilkenny – Schloss, Altstadt und ein Kaffee in der Schlossküche
Nur wenige Kilometer von Jerpoint Abbey entfernt erreichten wir Kilkenny.
Schon bei der Anfahrt fällt das mächtige Kilkenny Castle ins Auge, das über dem River Nore thront und die Stadt seit Jahrhunderten prägt.

Wir begannen unseren Besuch natürlich mit dem Schloss. Hinter den dicken Mauern erwarten die Besucher prächtige Räume, historische Möbel, Gemälde und kunstvoll gestaltete Decken. Die Anlage geht auf eine normannische Festung aus dem Jahr 1195 zurück und war über viele Jahrhunderte der Sitz der mächtigen Butler-Familie. Nach dem Rundgang ließen wir den Besuch ganz entspannt bei einem Kaffee in der ehemaligen Schlossküche ausklingen – ein schöner Ort, um die vielen Eindrücke erst einmal wirken zu lassen.












Besonders gut gefielen uns auch die weitläufigen Parkanlagen hinter dem Schloss mit Blick auf den Fluss und die kleine Stadt.
Anschließend schlenderten wir noch durch die Altstadt. Rund um das Schloss wechseln sich kleine Geschäfte, historische Gebäude, Kirchen und Pubs ab.

Wir besichtigten zum Abschluss noch eine der beeindruckenden Kirchen.








Kilkenny war für uns der perfekte zweite Stopp unseres ersten Tages im Süden Irlands – und ein Ort, an dem wir problemlos noch länger hätten bleiben können.
Rock of Cashel – einer der eindrucksvollsten Orte Irlands
Der Rock of Cashel ist ein ganz besonderes Ziel. Für uns war es deshalb kein kurzer Halt auf der Tour, sondern ein eigenes Ausflugsziel. Wir fuhren von unserem Ferienhaus bei Macroom über schmale und schmalste Straßen durch die Berge in die Grafschaft Tipperary. Für den Besuch sollte man sich ausreichend Zeit nehmen, denn das Kloster gehört zu den bedeutendsten historischen und auch mystischen Orten Irlands.



Schon von weitem war der markante Kalksteinfelsen zu sehen, auf dem sich die historischen Gebäude über der Ebene erheben. Je näher wir kamen, desto beeindruckender wirkte das Ensemble.
Bereits lange vor der normannischen Zeit war der Rock ein Machtzentrum der Könige von Munster. Der Überlieferung nach soll hier sogar der heilige Patrick einen König zum Christentum bekehrt haben.
Beim Rundgang – man sollte unbedingt eine Führung buchen – gibt es viel zu entdecken: einen Rundturm, die mächtige Kathedrale, ein Hochkreuz und die Cormac’s Chapel. Hinter jeder Ecke eröffneten sich neue Blickwinkel auf die Gebäude oder die umliegende Landschaft. Von den Mauern schweift der Blick weit über die grüne Landschaft der Grafschaft Tipperary. Als während unseres Besuchs dunkle Wolken über den Himmel zogen und wenig später wieder die Sonne hervorkam, wirkte der Rock of Cashel besonders geheimnisvoll. Durch die vielen Dohlen, die in den Mauern nisten, wird der Eindruck noch verstärkt.










Das berühmteste Bauwerk der Anlage ist die Cormac’s Chapel. Diese kleine Kirche entstand bereits im 12. Jahrhundert und zählt mit ihren seltenen Fresken und ihrer für Irland ungewöhnlichen romanischen Architektur zu den bedeutendsten Bauwerken des Landes.











Wer genügend Zeit mitbringt, sollte anschließend noch den Weg hinunter zur Hore Abbey nehmen. Die Ruine eines ehemaligen Zisterzienserklosters liegt etwas versteckt in der Ebene unterhalb des Felsens. Von dort bietet sich einer der schönsten Blicke auf den Rock of Cashel überhaupt. Während sich oben oft viele Besucher tummeln, herrscht unten zwischen den alten Mauern meist eine angenehme Ruhe. Für uns war dieser Perspektivwechsel ein schöner Abschluss des Ausflugs.







Der Rock of Cachel gehörte zu den Höhepunkten unserer Reise. Nicht nur wegen seiner Geschichte, sondern auch wegen der besonderen Atmosphäre, die zwischen den alten Mauern und über der weiten Landschaft bis heute spürbar ist.
Unterwegs im Süden Irlands
Von unserem Ferienhaus in Macroom unternahmen wir mehrere Tagesausflüge entlang der Südküste.
Der Süden Irlands entspricht ziemlich genau dem Bild, das die meisten von der Grünen Insel im Kopf haben. Hinter jeder Kurve wechseln sich grüne Hügel, kleine Dörfer, Schafweiden und immer neue Ausblicke auf den Atlantik ab. Oft gab es am Wege eine unerwartete Entdeckung, einen kleinen Hafen oder eine einsame Abtei am Wege. Gerade diese Mischung aus beeindruckender Landschaft und vielen schönen Momenten machte für uns den besonderen Reiz der Region aus.
Zwei Touren standen ganz oben auf unserer Liste: der Ring of Kerry und die Dingle-Halbinsel.
Dingle-Halbinsel – zwischen Klosterruinen, Atlantikküste und frühen Christen
Unser erster Ausflug führte uns auf die Dingle-Halbinsel. Schon die Anfahrt war ein Erlebnis, denn unterwegs machten wir einen Abstecher in den Killarney-Nationalpark.





Dort besuchten wir die Ruinen von Muckross Abbey, einem Franziskanerkloster aus dem 15. Jahrhundert. Besonders bekannt ist der Innenhof mit seiner alten Eibe, die seit Jahrhunderten mitten im Kreuzgang wächst und zu den meistfotografierten Motiven des Nationalparks gehört. Zwischen den alten Mauern des romantischen Klosters herrschte eine angenehme Ruhe, und auf den Wegen rund um die Abtei unternahmen wir eine wunderschöne Wanderung durch die Parklandschaft.











Die Fahrt führte weiter auf schmalen Straßen, gesäumt von blühenden Ginstersträuchern und Weiden, mit Blicken auf die Küste und schließlich einen breiten Sandstrand.












Anschließend ging es weiter nach Dingle, dem bekanntesten Ort der Halbinsel. Das kleine Hafenstädtchen zeigte sich an diesem Tag von seiner lebhaften Seite, denn es fand eine Radrallay statt. In den Straßen herrschte reges Treiben, vor den Cafés und Pubs saßen Besucher und im Hafens lagen die Ausflugsboote.
Unser Ziel lag etwas weiter westlich auf der Halbinsel. Entlang der Küstenstraße verteilten sich mehrere historische Stätten, die wir uns anschauen wollten.
Das Gallarus Oratory ist eines der am besten erhaltenen frühchristlichen Bauwerke Irlands. Die kleine Kapelle entstand vermutlich zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert und wurde komplett aus Trockenmauerwerk errichtet, ganz ohne Mörtel. Die präzise gesetzten Steine haben Wind und Wetter über mehr als tausend Jahre standgehalten. Durch ihre Form erinnert die Kapelle ein wenig an ein umgedrehtes Boot und wirkt erstaunlich schlicht und zugleich beeindruckend. Das kleine Museum wird sehr persönlich betreut und wir erhielten hier viele Tipps für die nähere Umgebeung.






Ganz in der Nähe liegen weitere Zeugnisse der frühen Besiedlung der Halbinsel. Zwischen den Schafweiden fanden wir eine zweite Kapelle, eine Kirchenruine sowie die Überreste eines Ringforts. So bekamen wir einen Eindruck davon, wie Menschen hier vor vielen Jahrhunderten an einem der äußersten Randgebiete Europas lebten.








Unser letzter Halt führte uns nach Brandon Creek. Dieser Ort ist eng mit einer der bekanntesten irischen Seefahrerlegenden verbunden. Der Überlieferung nach soll von hier aus der heilige Brendan im 6. Jahrhundert zu seiner legendären Reise über den Atlantik aufgebrochen sein. Ob er tatsächlich Nordamerika erreichte, ist bis heute umstritten. Eine Skulptur am Hafen erinnert an diese berühmte Reise. Besondere Bekanntheit erlangte Brandon Creek im Jahr 1976. Damals startete der Entdecker Tim Severin von hier mit einer Nachbildung eines frühmittelalterlichen Lederbootes, um die Reise des heiligen Brendan nachzuvollziehen. Seine Expedition führte über Island und Grönland bis nach Neufundland und zeigte, dass eine solche Atlantiküberquerung mit den damaligen Mitteln tatsächlich möglich gewesen wäre.






Ein schöner Abschluss unseres Tages auf der Dingle-Halbinsel.
Ring of Kerry – Irlands berühmteste Panoramastraße
Nach unserem Ausflug auf die Dingle-Halbinsel stand natürlich auch der Ring of Kerry auf dem Programm. Die rund 180 Kilometer lange Rundstrecke führt einmal um die Iveragh-Halbinsel und zählt zu den bekanntesten Panoramarouten Irlands. Für die gesamte Runde sollte man einen ganzen Tag einplanen, denn unterwegs gibt es viel zu entdecken.
Wir fuhren wie die Reisebusse entgegen des Uhrzeigersinns und folgten den Wegweisern rund um die Halbinsel. Die Strecke führt durch kleine Küstenorte, vorbei an Stränden, alten Steinforts und immer wieder zu Aussichtspunkten mit Blick auf den Atlantik.






Einen ersten längeren Halt legten wir am Rossbeigh Beach ein. Der mehrere Kilometer lange Strand erstreckt sich entlang einer schmalen Landzunge und bietet einen wunderschönen Blick auf die Berge der Dingle-Halbinsel. Während der Atlantik an den Strand rollte, wehte uns ein kräftiger Wind um die Nase – genau die Art von Küstenlandschaft, die man mit Irland verbindet.





Die Strecke führte weiter zum Gleensk Viaduct, das sich überraschend zwischen den grünen Hängen der Halbinsel erhebt. Die ehemalige Eisenbahnbrücke erinnert an die Zeit, als hier eine der schönsten Bahnstrecken Irlands verlief.

Wenig später stoppten wir am Ogham-Stein von Gortaforia. Die eingeritzten Zeichen stammen aus dem 5. oder 6. Jahrhundert und gehören zu den ältesten Schriftzeugnissen Irlands. Direkt hinter dem Stein beginnt ein fast märchenhaft wirkender Wald, der dem Ort eine ganz besondere Atmosphäre verleiht.





Ein weiterer interessanter Stopp war das Cahergal Stone Fort. Die beeindruckende Ringfestung entstand vermutlich zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert und gehört zu den am besten erhaltenen Steinforts Irlands. Über eine Treppe gelangt man auf die mächtigen Mauern, ein wirklich tolles Erlebnis.




Valentia Island
Über die Brücke bei Portmagee erreichten wir Valentia Island. Hier nahmen wir uns Zeit für mehrere kleinere Stopps mit interessanten Hintergründen.
Der Azimuth (Altazamuth) Stone in Knightstown erinnert an die großen Vermessungsprojekte des 19. Jahrhunderts. Die hier gewonnenen Messdaten halfen dabei, Irland genauer zu vermessen und die Seekarten entlang der Atlantikküste zu verbessern. Auch wenn die Stelle selbst wenig spektakulär wirkt, steckt dahinter ein interessantes Kapitel der Navigations- und Wissenschaftsgeschichte.
Am Hafen des Ortes, von wo die Fähre auf die Hauptinsel fährt, fiel uns der markante Clock Tower ins Auge. Der Uhrturm wurde Ende des 19. Jahrhunderts errichtet und prägt bis heute das Ortsbild des beschaulichen Inselhauptortes.








Valentia Island spielte außerdem eine wichtige Rolle in der Geschichte der weltweiten Kommunikation. Von hier aus wurde 1866 das erste dauerhaft funktionierende Transatlantikkabel nach Neufundland in Kanada verlegt. Nachrichten, die zuvor per Schiff mehrere Wochen unterwegs waren, konnten nun innerhalb weniger Minuten zwischen Europa und Nordamerika übertragen werden. Heute erinnert eine kleine Gedenkstätte an dieses technische Meisterwerk des 19. Jahrhunderts. Auch wenn die Straße schmal und heftig steil ist, lohnt die Fahrt zu diesem historischen Ort.






Ein weiterer Höhepunkt auf Valentia Island war die Fahrt auf den Geokaun Mountain. Über eine schmale Straße gelangt man fast bis zum Gipfel und wird dort mit einem beeindruckenden Rundumblick belohnt. Von oben reichte die Sicht weit über Valentia Island, die Iveragh-Halbinsel, die Dingle-Halbinsel die Kerry Mountains und den Atlantik bis hin zu den berühmten Skellig Islands, die bei klarem Wetter gut zu erkennen sind.
Von den Aussichtspunkten blickten wir auf die Fogher Cliffs, die rund 180 Meter steil in den Atlantik abfallen. Zwischen den Aussichtspunkten informieren zahlreiche Tafeln über die Geschichte der Insel – von den frühen Vermessungsarbeiten über das Transatlantikkabel bis hin zu den berühmten Tetrapoden-Spuren – ein Spezialziel für geologisch Interessierte: Auf Valentia Island wurden 1993 in einem Felsbereich bei Tetrapod Trackway rund 385 Millionen Jahre alte Fußspuren entdeckt. Sie stammen aus dem Devon-Zeitalter und gelten als einige der ältesten bekannten Belege dafür, dass frühe Wirbeltiere bereits an Land unterwegs waren.







Zu den absoluten Höhepunkten unseres Tages gehörten die Kerry Cliffs. Diese Klippen ragen an einigen Stellen mehr als 300 Meter über dem Atlantik auf und gehören damit zu den höchsten Steilküsten Irlands. Anders als an den berühmten Cliffs of Moher ging es hier deutlich ruhiger zu.
Ein kurzer, aber steiler Fußweg führte uns zu mehreren Aussichtspunkten entlang der Klippenkante. Von dort boten sich beeindruckende Ausblicke auf den Atlantik, die zerklüftete Küste und die vorgelagerten Skellig Islands, die bei klarem Wetter gut zu erkennen sind. Auf dem Gelände waren einige Nachbildungen des berühmten Skelling-Klosters zu sehen.












Die Rückfahrt führte uns wieder auf dem Wild Atlantik Way durch die grüne Landschaft und das bunte Städtchen Sneem unter einem Regenbogen zurück nach Macroom, wo wir den wunderbaren Tag mit einem Guinnes ausklingen ließen.










Auf in den Norden
Für das letzte Drittel unserer Reise hatten wir eine Unterkunft in Glencolumbkille ganz im Nordwesten Irlands gebucht. Die kleine Ortschaft liegt auf der Halbinsel Slieve League Peninsula in der Grafschaft Donegal, eingebettet zwischen Moorlandschaften, Bergen und einigen der höchsten Klippen Europas. Trotz der Regentage, die uns dort erwarteten, erwies sich die Region später als einer der landschaftlich reizvollsten Orte unserer Reise.
Der Weg führte einmal quer über die Insel. Auch wenn Irland auf der Karte nicht besonders groß wirkt, sollte man dafür einen ganzen Tag einplanen. Mit mehreren Pausen, kleinen Abstechern und den oft kurvenreichen Straßen verging der Tag wie im Flug. Ein Stück begleiteten wir den Wild Atlantic Way entlang der Südküste, bevor wir später auf den nördlichen Abschnitt der Route wechselten und uns Schritt für Schritt dem Nordwesten Irlands näherten. Unterwegs wechseln sich immer wieder neue Landschaften mit alten Klöstern und Kirchen, Burgruinen, Seen, und sogar vorgeschichtlichen Steinkreisen ab. So bekommt man einen guten Eindruck von der erstaunlichen Vielfalt der Grünen Insel.














Größere Stopps legten wir an diesem Tag allerdings kaum ein, da uns der Regen immer wieder begleitete. Die größte Stadt auf unserer Route war Limerick. Vielen ist der Name durch die gleichnamige Gedichtform bekannt – ob die humorvollen Fünfzeiler tatsächlich hier ihren Ursprung haben, ist zwar nicht eindeutig geklärt, die Verbindung zur Stadt wird aber bis heute gern erzählt.
Nach einigen Pausen und vielen Kilometern erreichten wir schließlich Donegal – eine Region, die sich noch einmal ganz anders präsentierte als der Süden Irlands und uns mit ihrer rauen Landschaft sofort in ihren Bann zog.



Zur Belohnung nach dem langen Fahrtag gönnten wir uns ein leckeres Irish Stew im Pub des Ortes.
Ein Regentag und auf nach Nordirland
Nicht jeder Urlaubstag muss voller Besichtigungen sein. Unser erster Tag in Glencolumbkille fiel buchstäblich ins Wasser. Der Regen zog nahezu ununterbrochen über die Moorlandschaft, die Hügel verschwanden immer wieder in den Wolken, und selbst die Schafe suchten Schutz hinter Steinmauern. Statt Ausflügen gab es deshalb einmal genau das, wofür ein gemütliches Ferienhaus gemacht ist: ein gutes Buch, einen Platz am Kamin und die Gelegenheit, einfach die besondere Stimmung eines irischen Regentages zu genießen.
Am nächsten Morgen zeigte sich das Wetter wieder etwas freundlicher und wir machten uns auf den Weg nach Nordirland zum Giant’s Causeway. Die berühmten Basaltsäulen kannte ich bereits von meiner UNESCO-Welterbetour (Link), damals allerdings mit Zug und Bus. Diesmal erlebten wir die Anreise ganz anders.
Schon die Fahrt dorthin wurde zu einem Erlebnis. Die engen Straßen auf unserer Halbinsel führten durch weite Moorlandschaften, über schmale Brücken vorbei an kleinen Seen und über Höhenzüge. Immer wieder ging es steil bergab, nur um kurz darauf wieder auf die nächste Anhöhe zu klettern. Schafe schienen überall zu sein – auf den Weiden, direkt am Straßenrand und manchmal auch mitten auf der Fahrbahn. Gerade diese Strecke vermittelte noch einmal das Gefühl, wie ursprünglich und dünn besiedelt viele Regionen im Nordwesten Irlands bis heute geblieben sind. Eine Grenze zum UK gab es nicht wirklich, man bemerkte es lediglich an den Preisen an den Tankstellen und den Geschwindigkeitsangaben auf den Schildern und Google Maps.












Giant’s Causeway – Naturwunder und Legenden
Wir parkten im Hafenstädtchen Bushmills und wanderten zwischen Strand und Golfplatz Richtung Besucherzentrum. Von dort führt ein Weg hinunter zur Küste, wo sich die ungewöhnlichen Felsformationen wie eine steinerne Treppe ins Meer hinausschieben. Die rund 40.000 meist sechseckigen Basaltsäulen entstanden vor etwa 60 Millionen Jahren durch vulkanische Aktivität und gehören heute zu den beeindruckendsten geologischen Sehenswürdigkeiten Europas.






Natürlich begegnet man hier auch überall der Legende vom Riesen Finn McCool, der den steinernen Damm gebaut haben soll, um nach Schottland zu gelangen. Gerade diese Mischung aus Natur und Mythos macht den besonderen Reiz des Ortes aus.
Während wir über die Basaltsäulen kletterten und den Wellen zusahen, die gegen die Felsen schlugen, wechselte das Licht immer wieder zwischen Sonne und Wolken. Trotz des erstaunlich guten Wetters hielt sich der Besucherandrang heute in Grenzen und wir konnten unsere Ich-war-hier-Fotos machen, die an diesem Ort ausnahmsweise auch für mich Pflicht sind.











Auf dem Rückweg hielten wir noch an den Ruinen von Dunluce Castle. Die Burg sitzt spektakulär auf einer Felsklippe direkt über dem Atlantik und wirkte im wechselnden Licht fast wie eine Kulisse aus einem Fantasyfilm. Während die Wellen weit unter uns gegen die Felsen schlugen, konnten wir uns gut vorstellen, warum dieser Ort zu den bekanntesten Fotomotiven Nordirlands gehört.





Abschied von Donegal
Nach einem weiteren Regentag stand schließlich die Rückreise Richtung Dublin an. Bevor wir mit Brú na Bóinne das zweite UNESCO-Welterbe unserer Reise besuchten, genossen wir noch einmal die Landschaft rund um Glencolumbkille.
Die Halbinsel zeigte sich dabei noch einmal von ihrer schönsten Seite. Zwischen Mooren, Bergen und der zerklüfteten Küste legten wir immer wieder kurze Stopps ein, spazierten zu Aussichtspunkten und entdeckten die frühchristlichen Zeugnisse, für die die Region bekannt ist. Die alten Steinmonumente und Kreuze rund um Glencolumbkille erzählen bis heute von der langen religiösen Geschichte dieser abgelegenen Gegend.








Unterwegs hielten wir außerdem an kleinen Kirchen, die oft unvermittelt am Straßenrand auftauchten, und schlenderten durch einige der bunten Kleinstädte, die wir auf der Hinfahrt nur passiert hatten.
















Brú na Bóinne – ein kurzer Blick in die Steinzeit
Bevor es zurück nach Dublin und schließlich nach Hause ging, machten wir noch einen letzten größeren Halt bei Brú na Bóinne, dem zweiten UNESCO-Welterbe unserer Reise. Die vorgeschichtliche Kulturlandschaft mit den berühmten Ganggräbern von Newgrange, Knowth und Dowth gehört zu den bedeutendsten archäologischen Stätten Europas.
Besonders beeindruckend ist Newgrange, dessen gewaltiger Grabhügel bereits vor rund 5.000 Jahren errichtet wurde – und damit älter ist als Stonehenge oder die Pyramiden von Gizeh. Berühmt wurde die Anlage durch ihre präzise Ausrichtung auf die Wintersonnenwende, wenn die aufgehende Sonne für wenige Minuten bis tief in die innere Kammer scheint.
Auch die kunstvoll verzierten Steine mit ihren spiralförmigen Mustern hinterließen bei uns Eindruck. Sie gehören zu den bekanntesten Zeugnissen der jungsteinzeitlichen Kultur Irlands.





Da dieser Ort im Rahmen des Welterbe-Projekts noch in einem eigenen Beitrag ausführlicher vorgestellt wird, soll dieser kurze Eindruck genügen. Für uns war Brú na Bóinne jedenfalls ein würdiger Abschluss einer Reise, die uns von den Straßen Dublins über die Küsten des Südens bis in die raue Landschaft Donegals und zum Giant’s Causeway geführt hatte.
Résumee
Der Mai erwies sich für unsere Irlandreise als nahezu perfekte Reisezeit. Die Landschaft zeigte sich in sattem Grün, Ginster und Bäume standen in voller Blüte, überall waren Lämmer auf den Weiden zu sehen, und selbst das Wetter meinte es oft besser mit uns, als wir es von Irland erwartet hatten. Natürlich gehörten auch einige kräftige Huschen oder Regentage dazu – aber gerade sie machten den besonderen Reiz der Grünen Insel aus und sorgten für gemütliche Stunden am Kamin oder in einem Pub.
Mit unseren drei Standorten in Dublin, bei Macroom im Süden und in Glencolumbkille im Nordwesten waren wir sehr zufrieden. So konnten wir die unterschiedlichen Regionen des Landes ohne ständige Unterkunftswechsel erkunden und dennoch viele Höhepunkte erreichen. Der Einstieg über Dublin erwies sich dabei als ideal, bevor es in die ländlichen Regionen und an die Küsten ging. Irland bietet weit mehr Sehenswürdigkeiten und Landschaften, als man in zwei Wochen entdecken kann. Umso wichtiger ist es, eine Auswahl zu treffen und sich auch Zeit für spontane Entdeckungen zu lassen. Für uns war die Mischung aus Geschichte, Natur, Küstenlandschaften, kleinen Orten und UNESCO-Welterbestätten genau richtig – und sicher nicht unser letzter Besuch auf der Grünen Insel.






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