Klöstergeflüster in Sachsen
Sachsens Klostergeschichte ist von großen Gründungen, aber auch von zahlreichen Umbrüchen geprägt. Klöster entstanden entlang wichtiger Handelswege, in aufstrebenden Städten und im Umfeld wirtschaftlich bedeutender Regionen. Mit der Reformation änderte sich vieles: Zahlreiche Konvente wurden aufgelöst, ihre Gebäude umgenutzt, abgetragen oder in die wachsenden Städte integriert.
Trotzdem ist die klösterliche Geschichte bis heute erstaunlich gut lesbar. Zisterzienser, Benediktiner und Bettelorden prägten das Land ebenso wie Stifte und Frauenkonvente. Altzella, Nimbschen oder Chemnitz erzählen dabei ganz unterschiedliche Geschichten – von einer bedeutenden Zisterzienserabtei über das Kloster, aus dem Katharina von Bora floh, bis zum Benediktinerkloster, aus dem schließlich ein Schloss wurde.
Und dann gibt es die Orte, an denen die Geschichte nicht mit der Reformation endete. In St. Marienthal und St. Marienstern leben bis heute Zisterzienserinnen, während in Wechselburg nach Jahrhunderten wieder Benediktiner einzogen. Ruinen, umgenutzte Klostergebäude und aktive Gemeinschaften liegen auf meiner Route manchmal nur wenige Kilometer auseinander.
Auf meiner Fahrt durch Sachsen wird deshalb besonders deutlich, wie unterschiedlich Klostergeschichte weitergehen kann. Manche Orte muss man suchen, andere sind schon von weitem zu sehen. Manchmal steht nur noch eine Ruine – und manchmal öffnet sich ein Klostertor und dahinter findet tatsächlich noch immer klösterliches Leben statt.
Klosterliste in Sachsen
| Bundesland | Ort | Kloster | Orden | Was ist erhalten / erlebbar | Website / Info | Hinweis |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Sachsen | Meißen | Kloster Heilig Kreuz | Zisterziense-rinnen | Kirche und Teile der Anlage | https://www.stadt-meissen.de/ | ehemaliges Kloster |
| Sachsen | Meißen (optional) | Chorherren-stift St.Afra | Augustiner | Hochbegabten-Schule, Kirche | https://sankt-afra.de/ | aktuell Landes-Gymnasium |
| Sachsen | Altzella (Nossen) | Kloster Altzella | Zisterzienser | Ruinen, Klosterpark, Museum | https://www.kloster-altzella.de | bedeutende Wettiner-Grablege |
| Sachsen | Chemnitz | Kloster St.Marien Chemnitz / Schloßkirche | Benediktiner | Schloßkirche + Museum am ehemaligen Klosterort | https://www.schlossbergmuseum.de | Benediktine-rabtei; nach Reformation umgenutzt |
| Sachsen | Grimma | Kloster Nimbschen | Zisterziense-rinnen | Ruinenareal, begehbar/erschlossen | https://www.grimma.de | Reformations-bezug (Katharina von Bora) |
| Sachsen | Kamenz | Klosterkirche St. Annen | Franziskaner | Klosterkirche/Sakralmuseum | https://www.kamenz.de | Klosterbauten verloren, Kirche als Zeugnis |
| Sachsen | Zittau | Franziskaner-kloster Zittau | Franziskaner | Kloster-komplex, Kreuzgang-reste, Museum | https://zittau.de/tourismus-kultur-freizeit/sehenswertes/ | Kloster 1260–1543 , heute kulturhist. Museum – Fastentuch |
| Sachsen | Ostritz | Kloster St. Marienthal | Zisterziense-rinnen | Aktive Abtei, Kirche, Besucher-/ Gästebereiche, | https://www.kloster-marienthal.de | Ältestes durchgehend bestehendes Zisterziense-rinnenkloster Deutschlands |
| Sachsen | Panschwitz-Kuckau | Kloster St. Marienstern | Zisterziense-rinnen | Aktive Abtei, Anlage, Besucherangebote | https://abtei.marienstern.de | Gründung 1248; sorbisches Zentrum |
| Sachsen | Freiberg | Dom St. Marien Freiberg | Kollegiatstift | Dom als Stiftskirche | https://www.freiberger-dom.de/ | Kollegiatstift 1480; später aufgelöst |
| Sachsen | Bautzen | Domstift St. Petri Bautzen | Domstift/Kollegiat | Dom als Simultankirche | https://www.st-petri-bautzen.de | Kollegiatstift um 1217/18; Simultankirche |
| Sachsen | Leisnig (Klosterbuch) | Kloster Buch | Zisterzienser | Anlage/Reste, Besucher-angebote, | https://www.klosterbuch.de | Gründung 1192; Aufhebung 1525 |
| Sachsen | Sornzig | Kloster Marienthal | Zisterziense-rinnen | wenig erhalten | https://www.stadt-muegeln.de/ | nur zu Veranstaltun-gen geöffnet |
| Sachsen | Oybin | Burg & Kloster Oybin (Klosterruine) | Cölestiner | Ruinen- ensemble und Bergkirche | https://www.schloesserland-sachsen.de/ | Ikone der Romantik; Klosterruine auf dem Berg |
| Sachsen | Wechselburg | Benediktiner-kloster Wechselburg | Benediktiner | Kloster/Basilika, Gästeangebote (Stand jetzt) | https://www.kloster-wechselburg.de | Benediktiner seit 1993; Rückzug bis Ende 2026 angekündigt |
Meißen – verschlossene Türen und eine Ruine voller Geschichten
Mein Tag beginnt gleich mit zwei Schreckmomenten. Zuerst läuft mir beinahe ein Reh vor das Auto, dann fällt auch noch mein Carplay aus. Zum Glück nur zwei kurze Aufreger – und schließlich erreiche ich Meißen doch noch.
St. Afra – 200 Stufen und eine verschlossene Kirche
Mein erster Weg führt mich hinauf zu St. Afra. Rund 200 Stufen geht es durch die historische Altstadt und über den Burgberg nach oben. Der Weg ist schön und lässt mich wieder einmal entdecken, wie reizvoll Meißen abseits von Dom und Albrechtsburg ist.





Oben kann ich zwar, wenn auch offenbar unerwünscht, den Hof der ehemaligen Klosteranlage betreten, die St.-Afra-Kirche ist jedoch (noch) verschlossen. Viel zu sehen gibt es für mich deshalb nicht. Nach dem langen Aufstieg ist das ein wenig enttäuschend – auch wenn allein der Weg durch die Altstadt und der Blick auf das historische Ensemble den Abstecher nicht ganz vergeblich machen.





Heilig Kreuz – eine Ruine zum Entdecken
Da meine Verbindung noch immer streikt, lasse ich mich vom Handy auf dem Schoß zur Klosterruine Heilig Kreuz führen. Und dieser zweite klösterliche Ort in Meißen entschädigt mich für die verschlossenen Türen bei St. Afra.
Die Ruine liegt etwas außerhalb des Zentrums direkt am Elberadweg. Schon vom Parkplatz aus erzählen zahlreiche Informationstafeln von der Geschichte der Anlage. So kann ich die alten Mauern ganz in Ruhe und auf eigene Faust erkunden. Zwischen den Bögen, Mauerresten und dem vielen Grün wirkt der Ort wunderbar romantisch und ein wenig verwunschen.









Sogar eine kleine Selbstbedienungsstation mit Kaffee, Limo und Bockwurst gibt es. Nach dem morgendlichen Schreck, den vielen Stufen und der verschlossenen Kirche kommt mir diese schöne Pause gerade recht. [Video]
Wissensbox
Ehemaliges Augustiner-Chorherrenstift St. Afra
- Gründung: Eine erste Kirche an dieser Stelle gab es bereits 986
- Orden: Das Augustiner-Chorherrenstift St. Afra wurde 1205 gegründet und um 1220 errichteten die Chorherren die frühgotische Basilika, die den Kern der heutigen St.-Afra-Kirche bildet.
- Aufhebung: Mit der Reformation endete das Chorherrenstift.
- Erhalten: 1543 wurde in den ehemaligen Klostergebäuden die Fürsten- und Landesschule St. Afra eingerichtet. Zu ihren bekannten Schülern gehörten Gotthold Ephraim Lessing und Christian Fürchtegott Gellert.
- Die St.-Afra-Kirche wird heute von der evangelischen Kirchgemeinde genutzt.
Klosterruine Heilig Kreuz
- Gründung: Der Frauenkonvent wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts gegründet und um 1220 von Markgraf Dietrich dem Bedrängten mit umfangreichem Besitz ausgestattet.
- Orden: Das Kloster orientierte sich zunächst am Zisterzienserorden. Nachdem es 1248 einen Teil seiner Privilegien verlor, lebten die Nonnen als Benediktinerinnen unter der Aufsicht des Meißner Bischofs.
- Aufhebung: Der Konvent bestand bis 1568.
- Ab 1570 diente die Anlage als Vorwerk der Landesschule St. Afra.
- Im Dreißigjährigen Krieg und besonders während des Siebenjährigen Krieges wurde das ehemalige Kloster schwer beschädigt.
- Besonderheit: Im 19. Jahrhundert wurde die romantische Ruine unter anderem von Caspar David Friedrich gezeichnet.
- Erhalten: Seit 1994 kümmert sich das Meißner Hahnemannzentrum um die Erhaltung und behutsame Nutzung des Klosterareals.
Kloster Altzella – Romantik mit Caspar-David-Friedrich-Blick
Das ehemalige Kloster Altzella liegt etwas verwunschen am Ortsrand von Nossen.
In der alten Schreiberei führt ein Film in die Baugeschichte ein, lässt das verschwundene Kloster wieder auferstehen und macht deutlich, wie groß und bedeutend die Anlage einmal gewesen sein muss. Die anschließenden Ausstellungen führen durch die Geschichte des Klosters und des Zisterzienserordens. Fundstücke erinnern an die längst verschwundenen Gebäude, ein Modell macht die einstige Anlage wieder sichtbar. Auch die spätere landwirtschaftliche Nutzung wird thematisiert – bis hin zum Kuhstall im Konversenhaus.





In dessen Erdgeschoss war das Refektorium, im Obergeschoss die Bibliothek. Heute finden hier Veranstaltungen statt.





Doch der eigentliche Schatz von Altzella wartet draußen. Erst beim Gang durch den Park wird mir bewusst, wie riesig das Klostergelände einmal war. Die erhaltenen Gebäude und Ruinen sind gut beschriftet, die Grundrisse der verschwundenen Bauten sichtbar gemacht. Dazwischen liegen alte Bäume, verschlungene Wege und immer neue Sichtachsen.









Besonders schön finde ich die Tafeln, die zeigen, an welchen Stellen Caspar David Friedrich seine Motive fand. Ich kann seinen damaligen Blick auf die Ruinen mit dem heutigen Anblick vergleichen. Diese Verbindung aus alten Mauern und bewusst gestalteter Landschaft macht Altzella so besonders.
Mitten im Park steht ein neueres Gebäude, das Mausoleum der Wettiner. Das Kloster war nicht nur ein geistliches Zentrum, sondern zugleich die Begräbnisstätte der markgräflichen Familie. Die Mönche sollten hier für das Seelenheil der Verstorbenen beten. [Video]



Nach der Auflösung des Klosters gerieten die Gräber zunächst in Vergessenheit, bevor man sie Jahrhunderte später wiederentdeckte und das Mausoleum baute. Man kann es im Rahmen einer Führung detailliert besuchen.
Wissensbox
- Gründung: Markgraf Otto der Reiche erhielt 1162 die Erlaubnis zur Klostergründung.
- Orden: Zisterzienser
- Beginn des Klosterlebens: 1175 zogen zwölf Mönche und ein Abt aus dem Mutterkloster Pforta ein. Die Klosterkirche wurde 1198 geweiht.
- Auflösung: Im Zuge der Reformation wurde das Kloster um 1540 aufgehoben. Anschließend dienten viele Gebäude als Steinbruch.
- Bedeutung: Altzella gehörte zu den bedeutendsten Klöstern Mitteldeutschlands und besaß zeitweise Güter in mehr als 70 Dörfern. Die Klosterbibliothek umfasste etwa 1.200 überwiegend handgeschriebene Bände.
- Grablege: Fast 200 Jahre lang wurden hier Angehörige der Wettiner bestattet. Heute ruhen 27 Mitglieder der Stifterfamilie in der Gruft des Mausoleums.
- Mausoleum: Das frühklassizistische Mausoleum wurde Ende des 18. Jahrhunderts vollendet.
- Landschaftspark: Rund um die Grablege entstand ein romantischer Landschaftspark, der Künstler wie Caspar David Friedrich und Ludwig Richter inspirierte.
- Heute: Zu sehen sind Ausstellungen zur Kloster- und Ordensgeschichte, die Schreiberei, das Konversenhaus, das Mausoleum sowie zahlreiche Ruinen und sichtbar gemachte Gebäudegrundrisse.
Chemnitz – vom Benediktinerkloster zur Schlosskirche
In Chemnitz führt mich meine Runde hinauf auf den Schlossberg. Hier begann im Grunde die Geschichte der Stadt: Um 1136 gründete Kaiser Lothar III. das Benediktinerkloster St. Marien. Die Mönche kamen aus Pegau, rund um das Kloster entwickelte sich nach und nach die Besiedlung des Chemnitzer Raumes.
Die Kirche war zunächst romanisch, davon sind noch Teile erhalten. Unter den letzten Äbten wurde sie zwischen 1499 und 1527 zu einer großen spätgotischen Hallenkirche umgebaut. 1527 wurde sie vollendet – nur 14 Jahre später endete das klösterliche Leben, das Benediktinerkloster wurde 1541 aufgehoben.
Die Klostergebäude wurden anschließend zum kurfürstlichen Jagd- und späteren Amtsschloss umgebaut. Daher kommt auch der Name Schlosskirche. Heute sind vom großen Kloster noch die Kirche, der Kreuzgang und Teile der Klausur erhalten. In diesen befindet sich das Schloßbergmuseum. Das muss ich allerdings auslassen – es ist schon zu spät für einen ausführlichen Besuch.







Die Schlosskirche lohnt sich wegen ihres Innenraums. Romanische Reste, spätgotische Höhe und eine reiche Ausstattung an Altären und Bildern.





Besonders außergewöhnlich ist die sogenannte Geißelsäule, die aus einem Stamm geschnitzt sein und sogar europaweit einzigartig sein soll. Ins Auge fällt ebenso das spätgotische Astwerkportal. Es befand sich ursprünglich an der Nordseite und wurde bei der letzten Restaurierung zum Schutz nach innen versetzt.





Und warum ist die Orgel so bunt? Der Küster erklärt es mir: Die Farben der Orgel sind genau die, in denen einst das berühmte spätgotische Astwerkportal gehalten war. Heute sieht man dem steinernen Portal diese ehemalige Farbenpracht kaum noch an – die Orgel holt sie gewissermaßen zurück.
Ich war gerade noch rechtzeitig, um nach oben in die ehemalige Türmerwohnung steigen zu können. Der heutige Turm ist übrigens viel jünger als die Kirche. Er entstand erst Ende des 19. Jahrhunderts und war ursprünglich 87 Meter hoch. Nach Beschädigungen 1945 sind es heute nur noch 48 m – 130 Stufen sind es trotzdem.





Von der Türmerwohnung gibt es einen tollen Blick über Chemnitz. Eine kleine Ausstellung erinnert an den letzten Bewohner. Für mich ist das diesmal der besondere Teil des Besuchs: unten die Kirche eines mittelalterlichen Benediktinerklosters, oben die Türmerwohnung und draußen die moderne Stadt, deren Anfänge eng mit diesem Kloster verbunden sind. [Video]
Wissensbox
- Orden: Benediktiner
- Gründung: um 1136 durch Kaiser Lothar III.
- Aufhebung: 1541 im Zuge der Reformation, Umbau der Klosteranlage zum sächsischen Schloss
- Erhalten: St. Marien, heute Schlosskirche und Schlossbergmuseum mit Kreuzgang und Klausur
- Besonderheit: spätgotisches Astwerkportal und Geißelsäule
- Hinweis: Aufstieg bis zur ehemaligen Türmerwohnung
Kloster Buch – ein verschlafener Abstecher an der Mulde
Nach dem weitläufigen und eindrucksvollen Klosterpark Altzella wirkt Kloster Buch beinahe ein wenig verschlafen. Für einen kleinen Eintritt kann ich einige kleine, hübsch gestaltete Ausstellungen, eine Fotoausstellung und die Kapelle besichtigen. Vieles andere bleibt bei meinem Besuch jedoch geschlossen.








Dabei ist von der mittelalterlichen Klosteranlage noch erstaunlich viel erhalten. Nach der Auflösung des Klosters wurden die Gebäude allerdings fast 500 Jahre lang landwirtschaftlich genutzt. Vielleicht erinnert Kloster Buch deshalb heute eher an ein altes Gut als an das klassische Bild eines Klosters.







Der Abstecher gibt mir einen kurzen Einblick in die lange Geschichte des Ortes. Um die gesamte Anlage kennenzulernen, wäre eine Führung oder einer der Veranstaltungstage vermutlich die bessere Gelegenheit gewesen. Für mich bleibt es diesmal bei einem eher stillen und kurzen Besuch. [Video]
Wissensbox
- Gründung: 1192 durch Burggraf Heinrich von Leisnig; der erste Konvent kam aus dem Kloster Sittichenbach.
- Orden: Zisterzienser
- Aufhebung: 1526 im Zuge der Reformation
- Spätere Nutzung: Fast 500 Jahre lang wurde die Anlage überwiegend landwirtschaftlich genutzt.
- Erhalten: Kapitelhaus, Abthaus, Teile der Infirmerie mit Krankenkapelle, die aus der ehemaligen Klosterkirche hervorgegangene Gutskapelle, Reste der Klostermauer sowie die Ruinen des Brauhauses und das Necessarium – die ehemalige Mönchstoilette. Der Förderverein Kloster Buch kümmert sich um Erhaltung und Restaurierung und nutzt die Anlage für Ausstellungen, Führungen, Bauernmärkte und Kulturveranstaltungen.
- Hinweis: Wer mehr als die Ausstellungsräume sehen möchte, sollte nach einer Führung oder einem Veranstaltungstermin schauen.
Kloster Marienthal in Sornzig – Obstbäume und eine zweite Nonnenflucht
Nach Kloster Buch fahre ich nach Sornzig. Vom ehemaligen Kloster Marienthal ist heute nicht mehr viel zu erkennen. Dafür entdecke ich einen wunderschönen Obstgarten, in dem die einzelnen Bäume und ihre Sorten beschriftet sind. Dahinter liegt ein romantischer Teich, der sich allerdings in Privatbesitz befindet.
Das letzte erhaltene Klostergebäude wurde restauriert und dient heute als Begegnungs- und Bildungsstätte mit Gästezimmern. Im Sommer finden auf dem Gelände Veranstaltungen statt, außerdem gibt es zeitweise ein Klostercafé. Bei meinem Besuch ist jedoch alles geschlossen. Auch nach einer Informationstafel suche ich zunächst vergeblich, bis ich hinter dem Gebäude doch noch eine kleine Übersicht zur Geschichte und Sanierung finde.






Interessant wird der Ort vor allem durch seine Verbindung zum nächsten Ziel meiner Reise. Nur wenige Wochen nach Katharina von Boras Flucht aus dem Kloster Nimbschen verließen am 28. April 1523 auch sechs Nonnen heimlich das Kloster in Sornzig. Ihr Fluchthelfer, der Mittweidaer Bürger Heinrich Kelner, wurde für seine Hilfe hingerichtet.
Allein wegen der wenigen erhaltenen Klosterspuren hätte sich der Abstecher für mich kaum gelohnt. Doch die Geschichte der geflohenen Nonnen gibt dem stillen Ort eine besondere Bedeutung – und führt direkt weiter nach Nimbschen.
Wissensbox
- Gründung: 1241 durch Siegfried III. von Mügeln
- Orden: Frauenkloster, meist den Zisterzienserinnen zugerechnet. Die Nonnen förderten den Obstbau, legten Heilkräutergärten an und betrieben Fischzucht im Klosterteich.
- Nonnenflucht: Am 28. April 1523 flohen sechs Nonnen aus dem Kloster.
- Aufhebung: im Zuge der Reformation im 16. Jahrhundert
- Erhalten: im Wesentlichen das restaurierte ehemalige Schwesternhaus
- Heute: Europäische Begegnungs- und Bildungsstätte, Klosterherberge sowie Veranstaltungsort
- Hinweis: Das Gebäude ist vor allem im Rahmen von Veranstaltungen, Übernachtungen oder nach Absprache erlebbar.
Kloster Nimbschen – auf den Spuren Katharina von Boras
Für mich ist Nimbschen, der letzte Ort auf dieser Klosterrunde, ein Heimspiel, denn ich bin in Luthers Stadt geboren und habe mein Arbeitsleben in Leipzig verbracht. Natürlich war ich schon viele Male hier. Doch auch im heutigen Nieselregen üben die alten Ruinen wie immer eine besondere Wirkung auf mich aus – vor allem im Wissen um ihre Geschichte und die starke Frau, die hier lebte.
Viel ist vom ehemaligen Zisterzienserinnenkloster Marienthron nicht erhalten geblieben. Zwischen alten Buchen und Eichen stehen noch einige mittelalterliche Mauern. Informationstafeln helfen dabei, sich die einstige Größe der Anlage vorzustellen. Um das Jahr 1500 lebten hier mehr als 40 Nonnen mit einigen Laienschwestern.





Die bekannteste von ihnen war Katharina von Bora. Etwa 14 Jahre verbrachte sie in Nimbschen, bevor sie in der Osternacht 1523 gemeinsam mit weiteren Nonnen aus dem Kloster floh. Neun von ihnen gelangten schließlich nach Wittenberg. Zwei Jahre später heiratete Katharina Martin Luther.
Doch sie war weit mehr als nur „Luthers Frau“. Sie führte den großen Haushalt im Schwarzen Kloster in Wittenberg [Link zum UNESCO-Welterbeblog]. Für eine Frau ihrer Zeit nahm sie ihr Leben erstaunlich selbstbewusst in die eigenen Hände. Vielleicht berühren mich die wenigen erhaltenen Mauern auch deshalb immer wieder: weil hier nicht nur Klostergeschichte geschrieben wurde, sondern der Lebensweg einer ungewöhnlich mutigen Frau eine entscheidende Wendung nahm.
Das Kloster wurde nach dem Tod der letzten Äbtissin 1536 aufgelöst. Die Gebäude verfielen und wurden teilweise als Steinbruch genutzt. In den später errichteten Wirtschaftsgebäuden befindet sich heute ein Hotel. Die eigentliche Ruine aber liegt noch immer frei zugänglich in ihrem kleinen Park.

So endet diese Klosterrunde nicht mit einer prachtvollen Kirche, sondern an einem vertrauten Ort, von dem nur wenige Mauern geblieben sind – und der durch seine Geschichte so viel zu erzählen hat. [Video]
Wissensbox
- Gründung: Der Konvent entstand im 13. Jahrhundert zunächst in Torgau und Grimma. Um 1265 Bau der Klosteranlage in Nimbschen, ursprünglicher Name: Kloster Marienthron, Einzug der Nonnen: vermutlich 1291; um 1500 lebten mehr als 40 Nonnen und einige Laienschwestern im Kloster, darunter auch Katharina von Bora
- Orden: Zisterzienserinnen
- Nonnenflucht: In der Osternacht 1523 floh Katharina gemeinsam mit weiteren Nonnen; neun von ihnen gelangten nach Wittenberg.
- Aufhebung: 1536, nach dem Tod der letzten Äbtissin
- Erhalten: Teile der mittelalterlichen Klostermauern und des ehemaligen Konventgebäudes
- Heute: Die Ruine liegt in einem frei zugänglichen Park. In den späteren Stall- und Speichergebäuden des Klostergutes befindet sich das Hotel Kloster Nimbschen.
Klosterkirche St. Annen in Kamenz – fünf Altäre unter einem Dach
Nach einem kurzer Rundgang durch Kamenz schaffe ich es gerade noch rechtzeitig zur ehemaligen Klosterkirche St. Annen. Zum Glück werde ich noch freundlich eingelassen und darf mir auch Zeit lassen.





Hier entdecke ich nicht nur eine alte Kirche, sondern zugleich ein ausgesprochen sehenswertes Sakralmuseum. Im Mittelpunkt stehen fünf spätgotische Schnitzaltäre. Jeder erzählt mit seinen geschnitzten Figuren und bemalten Flügeln Geschichten aus der spätmittelalterlichen Glaubenswelt. Die weitere Ausstellung ergänzt sie durch sakrale Kunstwerke und verständliche Erläuterungen. So erfahre ich auch etwas über die Franziskaner in Kamenz, die Heiligenverehrung, die Reformation und die spätere Nutzung der Kirche durch die evangelischen Sorben.
Die Kirche gehörte zu einem Franziskanerkloster, das kurz vor der Reformation vor den Toren der Stadt errichtet wurde. Schon 1565 wurde das Kloster wieder aufgelöst. Die Klostergebäude sind später verschwunden, doch die Kirche und ihre wertvollen Altäre blieben erhalten. Die fünf ausgestellten Schnitzaltäre gehörten bereits zur Ausstattung des ehemaligen Franziskanerklosters. Obwohl sie zeitweise abgebaut und einzelne Teile vermutlich neu zugeordnet wurden, blieb dieses außergewöhnliche Ensemble am ursprünglichen Klosterort erhalten.









Heute ist St. Annen geweihte Kirche und Museum zugleich. Zwischen den mittelalterlichen Kunstwerken finden weiterhin Gottesdienste, Andachten und Konzerte statt. Mein Besuch ist zwar kurz, aber die fünf Altäre, die gute Präsentation und die verständlichen Erklärungen machen St. Annen für mich zu einer absoluten Empfehlung.
Auf meinem Pilgerweg entlang der Via Regia hatte ich die Gelegenheit und Freude, in der Türmerwohnung auf dem Hutberg zu übernachten. [Link]
Wissensbox
- Bau: 1493 – 1512
- Kloster: ehemaliges Franziskanerobservantenkloster
- Auflösung: 1565 im Zuge der Reformation
- Spätere Nutzung: Gottesdienstkirche der evangelischen Sorben, deshalb auch „Wendische Kirche“ genannt
- Besonderheit: fünf spätgotische Schnitzaltäre aus dem frühen 16. Jahrhundert
- Heute: geweihte Kirche und Sakralmuseum
- Außerdem: Station an der grenzüberschreitenden Kulturroute Via Sacra
Franziskanerkloster Zittau – Klosterkirche, Kreuzgang und ein erstaunlich großes „kleines“ Fastentuch
Im ehemaligen Franziskanerkloster befindet sich heute das Kulturhistorische Museum.





Der Rundgang führt durch eine unerwartet große Ausstellung mit Kirchenschätzen und zahlreichen Fundstücken, durch den langen Kreuzgang und schließlich auch in die Klosterkirche.







Die Kirche wirkt ungewöhnlich. Der Altarraum ist abgetrennt und überall gibt es etwas zu entdecken.






Besonders beeindruckend ist das Kleine Zittauer Fastentuch. „Klein“ ist dabei relativ: Mit mehr als drei Metern Breite und über vier Metern Höhe ist es noch immer gewaltig. Solche Tücher wurden während der Fastenzeit vor den Altar gehängt – damit nicht nur der Körper, sondern auch die Augen fasten sollten.
Das Große Zittauer Fastentuch wird in der Kirche zum Heiligen Kreuz gezeigt. An dieser separaten Ausstellung bin ich jedoch nur vorbeigegangen. Dafür hat mich der Rundgang durch Franziskanerkloster, Kreuzgang und Klosterkirche viel länger beschäftigt, als ich zunächst erwartet hatte.
Wissensbox
- Kloster: ehemaliges Franziskanerkloster
- Orden: Franziskaner
- Klosterkirche: Hauptaltar 1293 geweiht, heutiges Hauptschiff aus dem 15. Jahrhundert
- Heute: Kulturhistorisches Museum der Städtischen Museen Zittau
- Erhalten: Klosterkirche, langer Kreuzgang, Kapitelsaal und ehemalige Klostergebäude
- Besonderheit: Kleines Zittauer Fastentuch von 1573, etwa 3,40 × 4,15 Meter groß
- Hinweis: Das Große Zittauer Fastentuch wird separat in der Kirche zum Heiligen Kreuz ausgestellt.
Kloster St. Marienthal – ein Traum in Rosa und Weiß
Zwischen Feldern und Wiesen liegt das Kloster St. Marienthal in einem kleinen Tal direkt an der Neiße. Schon der erste Anblick ist wunderschön: Die Gebäude leuchten in Rosa und Weiß, fast wie eine kleine eigene Welt.
Ich spaziere durch die große Anlage und besuche eine kleine Kapelle.









St. Marienthal blickt auf eine außergewöhnlich lange Geschichte zurück. Traditionell gilt Königin Kunigunde von Böhmen als Gründerin. Neuere Forschungen gehen jedoch davon aus, dass das Kloster bereits bestand, als sie ihm 1234 umfangreichen Grundbesitz schenkte. Gemeinsam mit ihrem Mann, König Wenzel I., wurde sie zu einer der wichtigsten frühen Förderinnen des Klosters. Wenig später stellte das böhmische Königspaar St. Marienthal unter seinen Schutz.
Vielleicht liegt darin ein Teil des Geheimnisses, warum St. Marienthal als eines der wenigen Klöster seit dem Mittelalter ohne Unterbrechung besteht. Während der Reformation verhinderten die Schwestern die Umwandlung in ein evangelisches Damenstift und hielten am katholischen Glauben und am Ordensleben fest. Auch die Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts überstand das Kloster: Verbriefte und vertraglich zugesicherte Schutzrechte des sächsischen Herrscherhauses bewahrten es vor der staatlich angeordneten Aufhebung.
Bei meinem Rundgang entdecke ich an der Klosterkirche die Markierung des Hochwasserstandes vom August 2010. Das Wasser reichte damals bis weit über die Hälfte der Tür. Kaum vorstellbar, dass die gesamte Anlage überflutet war und das Wasser auch in der Kirche etwa zwei Meter hoch stand.

Das Innere der Kirche überrascht mich. Nach dem hellen, fast freundlichen Äußeren hatte ich nicht mit diesem dunkleren Raum, den niedrigen Bögen und der reich geschnitzten und bemalten Ausstattung gerechnet.









In St. Marienthal leben bis heute Zisterzienserinnen. In den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden befindet sich außerdem ein Internationales Begegnungszentrum mit Gästehaus. Damit ist die weitläufige Anlage nicht nur ein wunderschöner historischer Ort, sondern noch immer mit Leben gefüllt.
Wissensbox
- Erste urkundliche Erwähnung: 1234
- Orden: Zisterzienserinnen
- Frühe Förderin: Königin Kunigunde von Böhmen schenkte dem bereits bestehenden Kloster umfangreichen Grundbesitz.
- Besonderheit: ältestes ununterbrochen bestehendes Zisterzienserinnenkloster Deutschlands – Die Schwestern verhinderten während der Reformation die Umwandlung in ein evangelisches Damenstift. Später schützten verbriefte Rechte das Kloster vor der Säkularisation.
- Heutige Anlage: überwiegend barock; Wiederaufbau nach einem Großbrand von 1683
- Klosterkirche: Nach dem Hochwasser von 1897 erhielt sie eine neue Innenausstattung.
- Hochwasser 2010: Die gesamte Anlage wurde überflutet; in der Kirche stand das Wasser etwa zwei Meter hoch.
- Heute: aktives Frauenkloster, Klosterkirche, Gästehaus und Internationales Begegnungszentrum
Kloster St. Marienstern – Glockenklang und Gold
Kloster St. Marienstern strahlt in der Sonne in Gelb, Weiß, Ocker und Gold. Ein Priester geht über den Hof und plötzlich beginnen die Glocken zu läuten. In der Klosterkirche beginnt gerade ein Gottesdienst beginnt.









Ich warte ich eine Weile draußen, von drinnen dringt der Gesang der Schwestern, wunderschön und feierlich. Dieser Moment zwischen Sonnenschein, Glockenklang und Gesang passt perfekt zu dem Kloster, in dem seit fast 800 Jahren Zisterzienserinnen leben.
St. Marienstern wurde 1248 von der Familie der Herren von Kamenz gegründet. Bernhard III. von Kamenz, später Bischof von Meißen, sorgte für den Bau der Kirche und stattete das Kloster mit umfangreichem Grundbesitz aus. Zeitweise gehörten rund 60 Dörfer und zwei Städte zur Klosterherrschaft. Bis heute ist die Umgebung stark durch das Kloster und die katholisch-sorbische Kultur geprägt.
Auch St. Marienstern überstand Reformation und Säkularisation. Als die Oberlausitz 1635 zu Sachsen kam, sicherten die Vereinbarungen des Prager Friedens den Fortbestand der katholischen Kirche in der Region. Dadurch blieb das Kloster bestehen, während viele andere Klöster aufgehoben wurden.
Als der Gottesdienst beendet ist, kann ich schließlich die reich ausgestattete Kirche betreten. Gold, Altäre und Heiligenfiguren bestimmen den Raum.






Für mich hat St. Marienstern eine ganz besondere Atmosphäre und ich habe mich deshalb ganz besonders gefreut, auf meiner kleinen Pilgerwanderung entlang der Via Regia noch einmal hier Station zu machen, in der Klosterbäckerei einzukehren und einen schönen Stempel in meinen Pilgerausweis zu bekommen. [Link]
Wissensbox
- Gründung: 1248 durch die Familie der Herren von Kamenz, Bedeutender Förderer: Bernhard III. von Kamenz, später Bischof von Meißen. Zur früheren Grundherrschaft gehörten zeitweise rund 60 Dörfer und zwei Städte.
- Orden: Zisterzienserinnen
- Besonderheit: seit der Gründung ununterbrochen von Zisterzienserinnen bewohnt
- Reformation: Der Prager Frieden von 1635 sicherte den Fortbestand der katholischen Kirche in der Oberlausitz.
- Heute: überwiegend barocke Gestaltung aus dem 18. Jahrhundert, aktives Frauenkloster mit Klosterkirche, Schatzkammer, Klosterladen, Bäckerei und Gästehaus
Dom St. Marien in Freiberg
Der Freiberger Dom ist kein Kloster, sondern ein ehemaliger Stiftsort. Als Bau- und Kunstdenkmal spiegelt er den Reichtum der Bergbaustadt Freiberg wider.
Er bleibt als Ziel für einen späteren Besuch.
Wissensbox
- Orden: Kollegiatstift
- Gründung: 1480
- Aufhebung: im Zuge der Reformation
- Erhalten: Dom und Kreuzgang
- Besonderheit: bedeutende spätgotische Ausstattung
- Hinweis: Stiftskirche, kein Klosterensemble
Domstift St. Petri in Bautzen
Gleich zweimal habe ich versucht, den außergewöhnlichen Simultandom von innen zu sehen – und stand beide Male vor verschlossener Tür. Von diesen beiden Anläufen erzähle ich ausführlich in meinem Beitrag über die Via Regia. [Link]
Wissensbox
- Orden: Domstift / Kollegiat
- Gründung: um 1217
- Aufhebung: Institutionenwandel
- Erhalten: Dom
- Besonderheit: älteste Simultankirche Deutschlands
- Hinweis: Stiftskirche, kein Kloster
Kloster Oybin – zwischen Sandsteinfelsen und Himmel
Die Anfahrt nach Oybin zieht sich. Für die letzten 70 Kilometer brauche ich fast zwei Stunden, die Strecke führt mich auf winzigen Straßen sogar kurz durch Tschechien. Am Fuß des Oybins angekommen, warten mehr als 200 Stufen auf mich. Doch der Eintritt hat sich schon nach den ersten Metern gelohnt.

Hoch über dem Ort stehen Burg und Kloster gemeinsam auf einem mächtigen Sandsteinfelsen. Ein wenig erinnert mich die Lage an die Meteora-Klöster in Griechenland – nur dass hier keine vollständige Klosteranlage mehr steht, sondern eine eindrucksvolle Ruinenlandschaft.
Ich steige die Stufen hinauf, gehe durch die Reste der Burg, die Krypta und den ehemaligen Kreuzgang. Besonders beeindruckend ist die Ruine der gotischen Klosterkirche. Ihre hohen Mauern und Fensteröffnungen stehen frei vor dem Himmel und lassen noch immer erahnen, wie gewaltig der Bau einmal gewesen sein muss.







Vom Turm aus kann man in die Kirchruine schauen. Außerdem sind die Sakristei, Teile der Klausur und das sogenannte Bibliotheksfenster erhalten.






Kaiser Karls IV. ließ zunächst das Kaiserhaus errichten und stiftete 1369 auf dem Oybin ein Kloster für den Orden der Cölestiner. An der Klosterkirche wirkte die berühmte Prager Dombauhütte mit. Burg und Kloster bestanden rund 200 Jahre nebeneinander, bevor die Reformation das Klosterleben beendete.
Später zerstörten ein Blitzschlag mit anschließendem Brand und ein Felsabbruch große Teile der Anlage. Im 18. und 19. Jahrhundert inspirierten die überwucherten Ruinen viele Künstler, darunter auch Caspar David Friedrich. [Video]
Am Weg liegt noch ein ganz anderes Kleinod: die kleine barocke Bergkirche. Von außen wirkt sie beinahe unscheinbar, im Inneren überrascht sie umso mehr mit bemalten Emporen und einer reich gestalteten Decke.





Wissensbox
- Klostergründung: 1369 durch Kaiser Karl IV.
- Lage: auf einem 514 Meter hohen Sandsteinmassiv
- Orden: Cölestiner, ein benediktinischer Reformorden
- Klosterkirche: erbaut von 1366 bis 1384 unter Mitwirkung der Prager Dombauhütte
- Auflösung: in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts im Zuge der Reformation
- Zerstörung: 1577 durch Blitzschlag und Brand, weitere Schäden 1681 durch einen Felsabbruch
- Erhalten: Ruine der Klosterkirche, Krypta, Kreuzgangreste, Sakristei, Bibliotheksfenster sowie Teile der Burg und des Kaiserhauses
- Besonderheit: Die romantischen Ruinen inspirierten unter anderem Caspar David Friedrich, Carl Gustav Carus und Adrian Zingg.
- Bergkirche: Das erste Bethaus entstand 1708/09. Die meisten Deckenmalereien stammen von 1723; zwischen 1732 und 1734 wurde die Kirche auf ihre heutige Größe erweitert.
Benediktinerkloster Wechselburg – manche Klöster brauchen zwei Anläufe
Eigentlich hätte mein Besichtigungstag nach Chemnitz längst zu Ende sein können. Ich hatte an diesem Tag viele Kilometer gemacht und Klöster gesehen, Umleitungen und Regen inklusive. Aber beim Blick auf die Karte liegt da noch Wechselburg. Die Basilika soll besonders schön sein – und außerdem leben hier tatsächlich wieder Mönche. Also fahre ich doch noch hin.
Ursprünglich war hier ein Stift der Augustiner-Chorherren. Später übernahm der Deutsche Orden die Anlage; mit der Reformation endete das klösterliche Leben. Erst 1993 kamen Benediktiner aus Ettal nach Wechselburg und gründeten hier wieder einen Konvent. Doch es steht im Raum, dass sie das Kloster wieder verlassen werden.
Als ich ankomme, ist es schon Abend. Die Wolken und das späte Licht geben der Anlage eine ganz besondere Stimmung und allein dafür hat sich der Abstecher gelohnt. Nur für einen Besuch der Kirche bin ich zu spät dran.








Also weiter: Im nur etwa zehn Kilometer entfernten Rochlitz finde ich einen kostenlosen Wohnmobilstellplatz. Am nächsten Morgen fahre ich noch einmal zurück. Und diesmal komme ich hinein.
Schon beim Betreten der Basilika bin ich froh über meinen zweiten Anlauf. Die Kirche entstand im 12. Jahrhundert. Nach einigen ziemlich üppig ausgestatteten Kirchen auf meiner Tour wirkt Wechselburg fast überraschend streng: heller Stein, klare romanische Formen und überall der rötliche Rochlitzer Porphyr, der direkt aus der Region stammt. Auch hier sind wieder alle Säulen unterschiedlich verziert.
Vor allem zieht der romanische Lettner den Blick auf sich. Er entstand um 1230 und trennte ursprünglich den Bereich der Geistlichen vom übrigen Kirchenraum. Darüber erhebt sich die große Triumphkreuzgruppe.











Und dann geht es für mich weiter. Vor mir liegt eine lange Strecke bis ganz in den Osten Sachsens, später sogar ein Stück durch Tschechien. Aber Wechselburg von der Liste zu streichen, nur weil ich am Abend zu spät gekommen war, wäre eindeutig die falsche Entscheidung gewesen.
Wissensbox
- Gründung: im 12. Jahrhundert durch Graf Dedo von Groitzsch
- Erste Gemeinschaft: Augustiner-Chorherren
- Kirchweihe: Ostteil 1168; Vollendung wohl um 1180
- Ab 1278: Deutscher Orden
- Ende des klösterlichen Lebens: im Zuge der Reformation im 16. Jahrhundert
- Neubeginn: seit 1993 Benediktiner aus der Abtei Ettal
- Besonderheit: romanischer Lettner mit Triumphkreuzgruppe aus dem 13. Jahrhundert
- Baumaterial: Rochlitzer Porphyrtuff
- Kirche: seit 2018 päpstliche Basilica minor
- Heute: Benediktinerpriorat und Wallfahrtsort, Rückzug der Benediktiner bis Ende 2026 angekündigt.

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