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Vier Tage Dublin im Herbst – bunte Häuser, wilde Küste und Musik im Ohr

Warum nicht einmal den eigenen Geburtstag in einem Dubliner Pub feiern? Mit Livemusik, guter Stimmung und einem Glas Writers’ Tears zum Anstoßen – für eine schreibende Reisende schon dem Namen nach passend.

Aus dem geplanten Geburtstags-Augenblick wurden schließlich vier abwechslungsreiche Herbsttage: zwischen bunten Häusern und Straßenmusik, kostenlosen Museen und leuchtenden Gaslaternen, einer Whiskeyverkostung in einer alten Kirche und einem sonnigen Ausflug an die Küste.

Ganz neu war die Stadt für mich nicht: Bei meinem ersten Besuch hatte ich unter anderem das Book of Kells gesehen. Diesmal freute ich mich auf vertraute Orte – und auf vieles, das ich bisher noch nicht kannte. Und obwohl manches diesmal geschlossen war, blieb mehr als genug zu entdecken.

Der Ausflug war aus einer Augenblicks-Idee entstanden und wir hatten ihn deshalb bewusst preiswert geplant. Für die wenigen Tage genügte kleines Handgepäck. Das war im Flugpreis enthalten und machte uns am An- und Abreisetag beweglich. (Für den Flughafenbus ist übrigens das Return-Ticket günstiger als zwei Einzelfahrten.)

Unser Hostel lag zentral und bot Schlafkabinen, sogenannte Cabins, mit etwas mehr Privatsphäre sowie morgens ein kleines Frühstücksbuffet. Für unsere Stadttage passte das bestens.

Viele leckere landestypische Mahlzeiten holten wir über Too Good To Go, das auch in Irland stark vertreten ist. Es lohnt sich immer, diese App auch auf Reisen zu öffnen.

Für Guinness oder Kaffee zahlten wir auch in besonders schönen Lokalen nicht mehr als in einfachen. Es lohnt sich also, bei der Wahl der Pause ruhig einmal nach dem schönsten Platz zu schauen.

Dublin ist insgesamt keine billige Stadt. Besonders die privat geführten Museen und Attraktionen verlangen teils empfindliche Eintrittspreise, ebenso die Kirchen. Dafür sind viele öffentliche Museen kostenlos, und zum Evensong ist der Eintritt in die Kathedralen frei. Sogar bei der Whiskeyverkostung lohnte sich ein Blick auf die Preisliste: In der Pearse Lyons Distillery gab es einen Seniorenrabatt.

Vergleichen und Prioritäten setzen lohnt sich also. Einige unserer schönsten Erinnerungen kosteten überhaupt nichts.

[Hier sind übrigens unsere bewährten Handgepäck-Rucksäcke – Affiliate-Link – und das war unser Hostel. Den Tipp zur Fahrt nach Howth und den Gaslaternen hatte ich aus dem Podcast: „Irisch gut! Stories und Tipps von der grünen Insel“- reinhören lohnt sich]

Schon vorab – hier sind unsere Tagebuch-Reels: Tag 1, Tag 2, Tag 3, Tag 4

Rund um Temple Bar fanden wir das Dublin, auf das wir uns gefreut hatten: bunte Fassaden, Straßenmusiker und offene Pubtüren, aus denen schon tagsüber Musik klang. Wir blieben immer wieder stehen, hörten zu und ließen uns durch die Straßen treiben.

Natürlich ist das Viertel touristisch und gut besucht. Uns machte es trotzdem Spaß, mittendrin zu sein, nachmittags bei Kuchen und Irish Coffee und abends bei Burger, Guinnes und Whiskey in einem der vielen Pubs zu sitzen und Livemusik zu hören.

Besonders schön war es am Abend an der Liffey, wenn sich die Lichter im Wasser spiegelten und wir über die beleuchteten Brücken schlenderten.

Besonders angenehm fanden wir, dass die öffentlichen Museen kostenlos zugänglich sind. So konnten wir auch für einen kürzeren Besuch hineingehen oder nur einzelne Abteilungen anschauen.

Geschichte im National Museum

Im archäologischen National Museum an der Kildare Street gibt es von frühen Goldfunden über die Wikinger bis zu den berühmten Moorleichen viel zu entdecken.

Auch die National Gallery lässt sich ebenfalls kostenlos besuchen; lediglich manche Sonderausstellungen kosten Eintritt.

Ein altes Hospital und moderne Kunst

Das Royal Hospital Kilmainham war einst Genesungsort für Kriegsveteranen. Die kleine feine Ausstellung Old Man’s House erzählt von der Geschichte und den Menschen, die hier lebten und arbeiteten.

Schon das Gebäude mit seinem großen Innenhof lohnte den Weg. Heute beherbergt die Anlage außerdem das Irish Museum of Modern Art, kurz IMMA.

Alte Post und prächtiges Rathaus

Auf der O’Connell Street steht das General Post Office, das GPO, das eng mit dem Osteraufstand von 1916 verbunden ist. In die historische Posthalle kommt man während des Postbetriebs kostenlos. Die Ausstellung zum Aufstand kostet dagegen Eintritt.

Auch die Säulenhalle im Rathaus, der City Hall, ist frei zugänglich. Mit ihrer hohen Kuppel und den Säulen bietet die Rotunde einen sehr eindrucksvollen Raum.

Diesmal vor verschlossenen Türen

Das ehemalige House of Lords am College Green kannte ich noch von meinem früheren Besuch. Diesmal war es wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen.

Auch das Chester Beatty hätte ich gern noch einmal besucht. Während unserer Reise war es jedoch ebenso wie das Gelände von Dublin Castle wegen der irischen EU-Ratspräsidentschaft geschlossen. Es blieb also auch diesmal etwas für einen nächsten Besuch übrig.

Natürlich gehört zu einem Dublin-Besuch auch ein Irish Coffee in einem der Pubs – am besten im Temple-Bar-Viertel, mit Livemusik und guter Stimmung. Aber auch einen Kaffee ohne Whiskey gibt es an besonderen Orten.

In einem ganz besonderen Ambiente kann man im Grand Central auf der O’Connell Street seinen Kaffee genießen. Hier sitzt man in einer historischen Bank von 1917. Die prächtige alte Einrichtung erinnert noch an diese Zeit.

Einen Kaffee über den Dächern Dublins gibt es in Sophie’s Rooftop-Bar im Hotel The Dean. Schon in der fünften Etage liegt einem die Stadt mit ihren vergleichsweise niedrigen Häusern zu Füßen.

Und wie schon erwähnt – Für unseren Kaffee zahlten wir in den besonderen Restaurants nicht mehr als in einem einfachen Café.

Dublin ist dicht bebaut, auch wenn die Häuser meist vergleichsweise niedrig sind. Zwischen den Straßen wirkt das Grün zunächst eher knapp. Doch einige schöne Parks liegen mitten in der Innenstadt – und die lohnen unbedingt einen Besuch.

St. Stephen’s Green und Merrion Square lassen sich gut mit einem Stadtspaziergang verbinden. Etwas versteckter liegen die Iveagh Gardens. Skulpturen, Teiche, romantische Ecken und selbst im Oktober noch prächtige Blumen machten die grünen Pausen abwechslungsreich. Im Merrion Square begegneten wir auch Oscar Wilde, der dort lässig auf einem Felsen liegt.

Im St Patrick’s Park direkt neben der Kathedrale blieben wir an der Dichterwand stehen. Die „Literary Parade“ erinnert mit Porträts und kurzen Lebensbeschreibungen an zwölf irische Schriftsteller, die mit Dublin verbunden sind. Auch im leichten Regen hatten die Parks ihren Reiz.

Ganz andere Ausmaße hat der Phoenix Park westlich der Innenstadt. Hier wird aus der kleinen Pause schnell ein ausgedehnter Spaziergang. Wir kamen am späten Nachmittag und wollten unbedingt die Gaslaternen entlang der Chesterfield Avenue leuchten sehen. Also warteten wir geduldig, bis sie angingen. Auch wenn sie heute über Zeitschaltuhren statt von einem Laternenanzünder gezündet werden, verbreiten sie noch immer ein historisches Ambiente – ein stimmungsvoller Abschluss des Tages.

Das Trinity College kannte ich bereits von meinem ersten Besuch, bei dem ich auch das berühmte Book of Kells gesehen hatte – eines der Must-sees in Dublin. Diesmal kamen wir am Abend wieder und erlebten den Campus von einer ganz anderen Seite.

Tagsüber ein Besuch zwischen vielen – jetzt standen wir ganz allein da und staunten. Die beleuchteten Fassaden, die stillen Plätze und der Glockenturm wirkten in der Dunkelheit wie verzaubert. Ein magischer Augenblick mitten in Dublin.

Unser abendlicher Spaziergang gehörte zu den schönsten Erinnerungen dieser Reise.

Das Wetter hielt sich nicht an die miese Vorhersage, sondern belohnte uns schon am Morgen mit Sonne. So fuhren wir kurzentschlossen mit der DART nach Howth. Nach etwa einer halben Stunde erreichten wir die kleine Hafenstadt.

Hier fanden wir ein kleines Stück Irland direkt vor den Toren: Klippen, Meer, Leuchtturm und Herbstfarben in der Sonne. Ein bisschen erinnerte mich die Landschaft an Dingle. Wir liefen eine schöne Runde auf dem Klippenweg und entdeckten sogar Delfine! Später hielten wir am Strand selbst die Beine ins Meer. Für einen Oktobertag hatten wir ausgesprochen viel Glück.

Für die Hin- und Rückfahrt zahlten wir übrigens zusammen 5,20 € pro Person.

Die großen Kathedralen verlangen für touristische Besichtigungen Eintritt. Es gibt aber auch Gelegenheiten, sie im Rahmen ihrer Gottesdienste zu erleben.

In St. Patrick’s und Christ Church ist die Teilnahme am Evensong, dem anglikanisches Abendgebet, häufig mit Chorgesang, kostenlos. Dabei steht allerdings das Zuhören im Mittelpunkt und ein Rundgang ist nur sehr eingeschränkt. Daneben lohnt sich ein Blick in die Veranstaltungskalender, denn außer den Gottesdiensten gibt es ebenfalls kostenlose Konzerte und Orgelveranstaltungen.

Wir hatten das Glück, gleich am ersten Abend ein Orgelkonzert in der St. Patrick’s Cathedral besuchen zu können. Auf einer Leinwand wurden die Hände und Füße des Organisten übertragen. So konnten wir nicht nur hören, sondern auch sehen, wie die Musik auf den vielen Tasten und Pedalen entstand. So etwas habe ich zum ersten Mal erlebt, ein toller Beginn unseres Besuchs in Dublin.

Guinness, das dunkle Bier mit dem cremigen Schaum, gehört zu Dublin genauso wie der berühmte irische Whiskey. Viele der bekannten Whiskeys werden dreifach destilliert und sind für ihren milden, weichen Geschmack bekannt.

Ein Besuch im Guinness Storehouse gehört sicher zu den klassischen Dublin-Erlebnissen, ist allerdings nicht gerade günstig.

Dafür erfährt man viel über das berühmte Bier und kommt anschließend in die Gravity Bar mit ihrem Rundumblick über die Stadt. Zum Besuch gehört auch der große Shop mit Guinness-Souvenirs aller Art. Eine breite Auswahl fanden wir allerdings ebenso bei Carrolls Irish Gifts, deren Geschäfte über die Innenstadt verteilt sind.

An Whiskey-Führungen und Verkostungen mangelt es in Dublin nicht. Jameson, Teeling oder das Irish Whiskey Museum bieten unterschiedliche Einblicke in Geschichte, Herstellung und Geschmack. Pearse Lyons jedoch stach für uns vor allem durch den Ort hervor: Die Brennerei befindet sich im Stadtteil Liberties fast gegenüber des Guinnes Storehouse in der ehemaligen St. James’s Church. Zwischen historischen Kirchenfenstern stehen heute kupferne Brennblasen. Zur Führung gehören auch der alte Friedhof und die Geschichte der aufwendig restaurierten Kirche. Anschließend wurde verkostet – ein ungewöhnlicher und sehr passender Beginn meines Geburtstags.

Die meisten Straßen in Dublins Innenstadt sind von niedrigen Häusern geprägt: oft nur drei oder vier Geschosse, dicht nebeneinander und mit schmalen Fassaden. Dabei leben in Dublin City knapp 600.000 Menschen, mit den Vororten sogar über 1,2 Millionen.

Der Verkehr ist immens. An manchen Plätzen zählten wir zwölf Busse gleichzeitig. Uns als Fußgänger verwirrten die Ampelschaltungen und letztlich folgten wir den Einheimischen, die wie selbstverständlich bei Rot über die Straße gingen.

Nachdenklicher machte uns ein anderer Eindruck: Zwischen gut besuchten Restaurants, Geschäften und bunten Fassaden sahen wir ungewöhnlich viele Menschen, die auf der Straße lebten. Gleichzeitig fielen uns etliche leer stehende Gebäude auf – ein irritierender Gegensatz angesichts der großen Wohnungsnot. Dublin vermittelte an vielen Stellen Wohlstand, während die Not unmittelbar daneben sichtbar war.

Drei bis vier Tage sind eine gute Zeit, um das bunte, quirlige Dublin kennenzulernen. Für Spaziergänge, Kultur, Pausen im Café und Abende mit Musik blieb ebenso Raum wie für einen Ausflug ans Meer.

Uns gefiel besonders die Mischung: kostenlose Museen, ein Orgelkonzert, Parks, nächtliche Lichter und die Whiskeyverkostung in einer alten Kirche. So erlebten wir auch mit kleinem Budget abwechslungsreiche Tage.

Obwohl ich schon einmal drei Tage hier gewesen war, gab es viel Neues zu entdecken. Einige vertraute Orte sah ich wieder, andere bleiben für ein nächstes Mal. Und aus der Idee, meinen Geburtstag in einem Dubliner Pub zu feiern, wurde eine ganze Sammlung schöner Augenblicke.

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