Touren zu Deutschlands schönsten Klöstern
In den vergangenen vier Jahren war ich quer durch Europa unterwegs und habe rund 500 UNESCO-Welterbestätten besucht [Link]. Im letzten Jahr war mein Radius dann kleiner: Umzug, neue Homezone – und all das, was damit einhergeht. Da blieb es bei der näheren Umgebung. [Link] [Link]
Doch jetzt wird es Frühling – und mich zieht es wieder hinaus. Neben und zwischen den geplanten größeren Touren habe ich mir ein neues Projekt gesucht, das mich quer durch Deutschland führen und wohl eine ganze Weile begleiten wird. Ich möchte wieder besondere Orte erkunden. Und zwar solche, die nicht zu den klassischen Touristen-Hotspots gehören.
Ich werde auf Spurensuche gehen. Nicht nach spektakulären Postkartenmotiven, sondern nach Orten, die sich in die Landschaft eingeschrieben haben. Orte, die geblieben sind, wenn auch leise.
Was prägt eigentlich die historische Landschaft in Deutschland?
Zuerst denkt man natürlich an Burgen und Schlösser. Für sie existiert eine hervorragend gepflegte Datenbank mit mehr als 40.000 erfassten und oft auch fotografisch dokumentierten Standorten – von großen Residenzen über Ruinen bis hin zu Herrenhäusern und Gutshöfen. Für Interessierte ist das eine beeindruckende und äußerst hilfreiche Grundlage [Link]. Für mein Projekt allerdings wäre das wohl eine Nummer zu groß gewesen.
Der eigentliche Impuls kam ohnehin schon vor längerem und aus einer anderen Richtung.
Auf meinen Reisen durch Frankreich, Portugal und auch Rumänien bin ich immer wieder auf Klöster gestoßen. Ihre Vielfalt, ihre oft überraschenden Lagen, ihre Atmosphäre – manchmal monumental, manchmal zurückgezogen, manchmal beinahe beiläufig in der Landschaft – haben mich nachhaltig beeindruckt. Klöster sind keine Kulissen. Sie wirken. Und sie tun das auch jenseits religiöser Bindung.
Einige dieser Orte in Deutschland hatte ich natürlich schon zuvor besucht, besonders im Rahmen meiner UNESCO-Tour: die Lutherstätten unweit meines Geburtsortes, das Kloster Walkenried eingebettet in die Harzer Wasserwirtschaft oder auch Corvey, Maulbronn und Lorsch. Klöster, die sich nicht nur architektonisch, sondern auch historisch bedeutsam sind.

Doch wie viele solcher Orte lassen sich in Deutschland heute tatsächlich noch erleben?
Zwar führen die einzelnen Bundesländer Listen ihrer ehemaligen oder noch bestehenden Klöster. Doch eine kompakte, wirklich brauchbare Übersicht über besuchbare und erlebbare Klöster ist schwer zu finden. Also habe ich begonnen, sie selbst zusammenzustellen – nach Bundesländern gegliedert und mit einem klaren, pragmatischen Kriterium: Die Klöster oder zumindest ihre Kirchen müssen heute noch sichtbar und als Klosterort erfahrbar sein.
Diese Seite ist der Ausgangspunkt. Von hier führen die Links weiter zu den einzelnen Bundesländern. Bevor es dort jeweils ins Detail geht, findest du eine kurze Einordnung: Was prägt die jeweilige Klosterlandschaft? Wo liegen regionale Schwerpunkte? Und was lässt sich unterwegs erwarten?
Ich freue mich auf diese Tour durch mein Heimatland. Schon beim Eintragen der Standorte auf der Karte habe ich gemerkt, wie viele weitere Ziele sich rund um die Klöster entdecken lassen. Die Planung beginnt am Schreibtisch – aber die eigentliche Reise startet draußen.
Wer mich auf dieser Spurensuche begleiten möchte oder selbst eine Route planen will, kann hier die vollständige Liste herunterladen. Vielleicht entsteht daraus eine eigene Tour. Vielleicht auch nur ein einzelner Abstecher. Beides wäre genau im Sinne dieses Projekts.
Meine Auswahl – unterwegs zu Deutschlands Klöstern
Die fast 250 Klöster auf dieser Liste sind kein Zufallsprodukt. Sie sind das Ergebnis meines pragmatischen Auswahlkriteriums – und vieler Stunden Recherche zwischen Karten, Web und Reiseplänen. Nicht Vollständigkeit war das Ziel, sondern Erfahrbarkeit. Orte, die heute noch aufgesucht werden können. Orte, an denen sich klösterliche Geschichte zumindest in Teilen ablesen lässt.
Warum also diese fast 250 Klöster?


Mit der Germania Sacra existiert eine wissenschaftlich fundierte Klosterdatenbank mit mittlerweile mehr als 6.500 erfassten Objekten; weitere kommen im Rahmen des laufenden Forschungsprojekts hinzu.
Dort habe ich immer wieder die Lage noch vorhandener Überreste überprüft. Grundlage für meine eigene bewusst reduzierte Übersicht waren daneben die Kloster- und Stiftslisten aus Wikipedia sowie landesspezifische Verzeichnisse. Diese führen – je nach Region – natürlich deutlich mehr Orte auf, als ich hier berücksichtige.
Meine Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Viele ehemalige Klöster sind heute nur noch urkundlich belegt, überbaut oder im Alltag kaum noch als Klosterort erkennbar (hier geht es zur vollständigen Klosterdatenbank).
Meine Erfahrungen auf Reisen zu Europas UNESCO-Welterbestätten haben mir gezeigt, dass Klöster ihre Wirkung nicht allein über Rang oder Größe entfalten, sondern über Atmosphäre, Lage und Lesbarkeit. Genau das hat mich bei der Zusammenstellung geleitet – und genau darauf freue ich mich unterwegs.
Mein Auswahlkriterium war also einfach: Der Ort muss heute noch sichtbar und als Kloster erfahrbar sein – sei es als Kirche, erhaltene Anlage, Museum, Ruine oder klar zugänglicher Standort. Übernachten oder einkehren muss man dort nicht können. Entscheidend ist für mich die räumliche Präsenz – das Gefühl, tatsächlich an einem ehemaligen oder noch bestehenden Klosterort zu stehen.
Die Liste ist offen gedacht. Sie bildet für mich einen belastbaren Querschnitt durch Deutschlands Klosterlandschaften – vom großen Reichskloster bis zur stillen Stadtkirche. Und ich bin sicher: Ergänzungen werden unterwegs noch dazukommen.
Doch während ich die Punkte auf der Karte setzte, stellte sich mir eine andere Frage.
Warum verteilen sich die Klöster so ungleich über Deutschland?
Als ich die ersten Standorte eintrug, wurde schnell sichtbar: Die Verteilung ist alles andere als gleichmäßig. Im Norden liegen die Orte weiter auseinander, in den Großstädten bleiben nur einzelne Spuren, während sich in Bayern allein rund fünfzig Einträge bündeln.


Das ist kein Zufall, sondern historisch gewachsen.
Im Norden war die mittelalterliche Besiedelung dünner, viele Regionen wurden vergleichsweise spät christianisiert. Klöster entstanden häufig im Zusammenhang mit Mission und Landesausbau. Mit der Reformation im 16. Jahrhundert wurden zahlreiche Konvente aufgehoben; Besitz ging in landesherrliche Verwaltung über, Gebäude verfielen oder wurden umgenutzt. Oft blieben nur Kirchen, einzelne Bauteile oder Ortsnamen zurück.
In den Städten prägten vor allem Bettelorden wie Franziskaner und Dominikaner das religiöse Leben. Ihre Klöster waren stärker in das Stadtgefüge eingebunden und weniger monumental. Nach der Reformation verschwanden viele dieser Anlagen nahezu vollständig. Deshalb finde ich in Metropolen wie Berlin oder Hamburg heute meist nur Ruinen oder historische Standorte – aber selten geschlossene Ensembles.
Im Süden dagegen, besonders in Bayern, setzte sich die Reformation nicht durch. Die Wittelsbacher bekannten sich zum Katholizismus und betrieben eine konsequente Gegenreformation. Klöster wurden reformiert, personell erneuert und im Barock häufig ausgebaut. Viele waren reichsunmittelbar und damit direkt dem Kaiser unterstellt. So blieb hier ein dichtes Netz geistlicher Gemeinschaften bestehen – und genau das macht die süddeutsche Klosterlandschaft bis heute so eindrucksvoll.
Wenn ich die Karte betrachte, sehe ich daher nicht nur Reiseziele. Ich sehe historische Brüche, politische Entscheidungen und regionale Eigenheiten. Ich sehe Orte, an denen klösterliches Leben verschwand – und andere, an denen es weiterwirkte.
Und genau das macht diese Tour für mich so spannend.
Zwischen Monument, Landschaft und Geschichte
Nicht alle Klöster beeindrucken durch Größe. Manche entfalten ihre Wirkung durch ihre Lage, andere durch ihre architektonische Geschlossenheit oder ihre historische Bedeutung. Einige sind lebendige Orte bis heute, andere nur noch Ruinen – und gerade deshalb besonders eindrucksvoll.
Die folgenden Beispiele stehen stellvertretend für diese unterschiedlichen Facetten klösterlichen Lebens in Deutschland.
Monument & Struktur
Klöster wie Maulbronn, Corvey oder Eberbach zeigen klösterliche Architektur in außergewöhnlicher Geschlossenheit. Ihre Anlagen sind bis heute gut lesbar und vermitteln, wie klösterlicher Alltag organisiert war.
Landschaft & Lage
Orte wie Weltenburg, Maria Laach oder Drübeck entfalten ihre Wirkung im Zusammenspiel mit ihrer Umgebung. Hier wird deutlich, wie bewusst Klöster in Landschaften eingebettet wurden – nicht als Kulisse, sondern als Teil eines größeren Ganzen.
Geschichte & Bedeutung
Klöster wie Fulda, Lorsch oder Quedlinburg stehen für überregionale Geschichte. Sie waren Machtzentren, Bildungsorte und religiöse Fixpunkte, deren Einfluss weit über ihre Mauern hinausreichte.
Kontinuität & Gegenwart
In Niedersachsen oder Bayern finden sich Klöster, die bis heute genutzt werden – etwa Wienhausen, Niederaltaich oder Ettal. Sie zeigen, dass klösterliches Leben nicht nur Vergangenheit ist, sondern sich angepasst und fortgeführt hat.
Reduktion & Spurensuche
Andere Orte wirken gerade durch das, was fehlt: Eldena, Paulinzella, Nimbschen oder Chorin. Als Ruinen erzählen sie von Brüchen, Umbrüchen und vom langen Nachhall klösterlicher Präsenz.
Ich bin gespannt auf meine Touren und wie sich die Listen nach und nach füllen werden – ich lasse euch teilhaben!
Links zu den einzelnen Bundesländern
Hamburg – Zwischen Hafenstadt, Handel und Relikten
Hamburgs Klöster sind Stadtgeschichte. Fast alle entstanden als urbane Konvente der Bettelorden oder als Stiftskirchen und sind heute nur noch in Fragmenten erhalten. Dafür liegen sie zentral, gut zugänglich und fest im städtischen Alltag verankert.
Bremen – Zwischen Stiften, Stadtbürgertum und Reformation
Bremens Klöster sind Stadtgeschichte in konzentrierter Form. Sie entstanden als Konvente der Bettelorden oder als Stiftskirchen und sind heute fast ausschließlich als Kirchen erhalten. Klein im Umfang, aber historisch klar verortet.
Mecklenburg-Vorpommern – Zwischen Backstein, Weite und Vergessen
Mecklenburg-Vorpommern ist geprägt von Weite, Backsteingotik und einer starken zisterziensischen Tradition. Die Klöster entstanden häufig abseits größerer Städte und sind heute meist als Kirchen, Ruinen oder Kulturorte erhalten. Auffällig ist der hohe Anteil ehemaliger Frauenklöster. Wer hier unterwegs ist, findet keine Dichte an Sehenswürdigkeiten, sondern Ruhe, Landschaft und gut lesbare klösterliche Strukturen.
Schleswig-Holstein – Zwischen Stadt, Sift und Backstein
Schleswig-Holstein ist eine Klosterlandschaft der Städte und Handelswege. Viele Klöster entstanden in unmittelbarer Nähe von Hafenorten und Hansestädten, oft als Bettelordensklöster. Heute sind meist Kirchen oder einzelne Gebäudeteile erhalten, dafür aber gut zugänglich und eng mit der Stadtgeschichte verbunden.
Brandenburg – Zwischen Zisterziensern, Seen und stillen Orten
Brandenburg ist eine Landschaft der Zisterzienser. Die Klöster liegen oft außerhalb der Städte, eingebettet in Wälder, Seen und weite Ebenen. Viele Anlagen sind als Ruinen, Kirchen oder Stifte erhalten und vermitteln bis heute Ruhe, Maß und landschaftliche Weite.
Berlin – Zwischen Franziskanern, Dominikanern und verschwundenen Konventen
Berlin ist kein klassisches Klosterland, sondern ein Ort der Spuren. Mittelalterliche Konvente sind heute meist Teil des Stadtraums – als Kirchen, Museen oder archäologische Reste. Ergänzt werden sie durch wenige aktive Gemeinschaften. Wer hier nach Klöstern sucht, entdeckt weniger geschlossene Anlagen als vielmehr Übergänge zwischen Geschichte und Gegenwart.
Sachsen-Anhalt – Zwischen Kaiserpfalz, Umbruch und Reformation
Sachsen-Anhalt ist ein klösterliches Kernland. Hier liegen einige der frühesten und historisch bedeutendsten Klöster Deutschlands, eng verbunden mit ottonischer Geschichte, Reichspolitik und Kirchenreformen. Viele Anlagen sind gut erhalten oder als eindrucksvolle Ruinen zugänglich.
Sachsen – Zwischen Benediktinern, Bergbau und Reformation
Sachsens Klöster sind eng mit Stadtgründungen, Bergbau und früher Reformation verbunden. Viele Anlagen wurden früh aufgelöst, sind aber als Kirchen, Ruinen oder museale Orte gut erhalten. Die Klosterlandschaft ist weniger geschlossen, dafür historisch vielschichtig.
Thüringen – Zwischen Gelehrsamkeit, Luther und Klosterleben
Thüringens Klöster liegen an der Schnittstelle von Bildung, Reform und früher Reformation. Viele Anlagen sind gut erhalten oder als Ruinen zugänglich und stehen in engem Zusammenhang mit Klosterschulen, Gelehrsamkeit und Luthers Weg.
Niedersachsen – Zwischen Heide, Weltkarten und Wandel
Niedersachsen ist eines der klosterreichsten Bundesländer Deutschlands. Auffällig ist die außergewöhnliche Kontinuität vieler Frauenklöster, die bis heute bestehen. Die Klosterlandschaft ist dicht, gut erhalten und vergleichsweise ruhig – mit starkem Schwerpunkt auf dem norddeutschen Raum.
Hessen – Zwischen Reichsgeschichte, Handelswegen und Spiritualität
Hessen verbindet frühe Reichsklöster mit späteren Reform- und Auflösungsphasen. Die Klöster liegen häufig an alten Verkehrsachsen oder in Flusstälern und sind heute als Kirchen, Anlagen oder Ruinen gut zugänglich. Die Klosterlandschaft ist vielfältig, aber nicht dicht.
NRW – Zwischen Macht, Handelswegen und Pilgerströmen
Nordrhein-Westfalen ist eines der klosterreichsten Bundesländer Deutschlands. Zwischen Rhein und Weser liegen Reichsabteien, Stifte, Stadtklöster und Reformzentren in großer Dichte. Viele Anlagen sind monumental erhalten und bis heute gut zugänglich.
Rheinland-Pfalz – Zwischen Reichsklöstern, Flusslandschaften und Hildegard von Bingen
Rheinland-Pfalz gehört zu den ältesten Klosterlandschaften Deutschlands. Entlang von Rhein, Mosel und in der Pfalz entstanden früh bedeutende Benediktiner- und Zisterzienserklöster. Viele Anlagen sind bis heute gut erhalten oder als eindrucksvolle Ruinen erlebbar.
Saarland – Zwischen frühen Wurzeln, Schlüsselorten und stillen Höhen
Das Saarland ist klein, aber klostergeschichtlich alt. Wenige Orte, dafür mit großer historischer Tiefe: frühe Benediktinergründungen, später Prämonstratenser und Stadtklöster. Die Klosterlandschaft ist überschaubar und gut lesbar.
Baden-Württemberg – Zwischen Reformklöstern, barocker Pracht und klösterlicher Dichte
Baden-Württemberg ist eine der vielfältigsten Klosterlandschaften Deutschlands. Monumentale Reichsabteien, Reformklöster und gut erhaltene Gesamtanlagen prägen das Bild. Viele Klöster liegen landschaftlich eindrucksvoll und sind heute umfassend zugänglich.
Bayern – Zwischen Klosterdichte, barocker Pracht und weiß-blauer Tradition
Bayern ist die klosterreichste Region Deutschlands. Benediktiner, Zisterzienser und zahlreiche weitere Orden prägten Landschaft, Kultur und Baukunst nachhaltig. Viele Klöster sind bis heute aktiv oder als monumentale Anlagen erhalten.

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